Chemobrain

Konzentrationsstörungen und Gedächtnisschwäche nach der Krebstherapie

Chemobrain Eine Frau steht vor einem Wald im Nebel

Was ist eigentlich Chemobrain?

Nach einer Krebstherapie fällt es vielen PatientInnen schwer, das gewohnte Leben wieder aufzunehmen und in Familie und Beruf die gleiche Person wie vor der Erkrankung zu sein. Selbst wenn der Körper sich von der Krebstherapie erholt hat, nehmen viele PatientInnen eine veränderte geistige Leistungsfähigkeit wahr. Sie leiden unter Vergesslichkeit und Konzentrationsstörungen. Das Planen alltäglicher Aufgaben macht Probleme. Bis zu 7 von 10 KrebspatientInnen sind davon betroffen.1 Dieser Zusammenhang wurde erstmals 1995 untersucht1 und unter dem Begriff „Chemobrain“ bekannt.2

Symptome: Wie macht sich Chemobrain bei Betroffenen bemerkbar?

Betroffene bemerken Einschränkungen ihrer Fähigkeiten in Bezug auf

  • das Gedächtnis
  • das Lernen neuer Dinge
  • die Konzentration
  • das Planen und Treffen von alltäglichen Entscheidungen1

Vielen fällt es seit der Krebstherapie schwerer, ein Problem zu erfassen oder sie machen Fehler, die früher nie vorgekommen wären. In der Fachsprache wird von kognitiven Einschränkungen gesprochen (Kognition = Wahrnehmung, Erkenntnis, Denkvermögen).  Diese Einschränkungen unterscheiden sich stark von Patient zu Patient und auch wie lange die Beschwerden des Chemobrains anhalten, variiert. Betroffene und deren Angehörige nehmen die Symptome des Chemobrains meist als sehr belastend wahr und berichten über eine eingeschränkte Lebensqualität. 3  

Therapie: Wie kann Chemobrain behandelt werden?

Da sich der Verlauf nur schwer vorhersagen lässt, gibt es auch keine einheitliche Chemobrain-Therapie. Aber es gibt verschiedene Ansätze, die die kognitiven Einschränkungen reduzieren können. Das kann eine Verhaltens- oder Bewegungstherapie sein, Achtsamkeitsübungen oder in manchen Fällen die Einnahme von Medikamenten.1

Damit Sie wissen, welche Therapie für Sie geeignet ist, suchen Sie das Gespräch mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin und berichten Sie über Ihre Probleme. Er oder sie kennt den Verlauf Ihrer Krebstherapie und kann gemeinsam mit Ihnen mögliche Maßnahmen besprechen. Auch kann er Sie bei Bedarf an weitere Fachärzte weiterleiten, etwa Psychoonkologen.

Vor dem Gespräch mit Ihrem Arzt machen Sie sich am besten Notizen. Notieren Sie zu folgenden Fragen Ihre Antworten:

  • Welche Symptome haben Sie?
  • Welche Therapie haben Sie erhalten?
  • Wann haben die Symptome angefangen?
  • Verbessern sich die Symptome oder werden sie eher schlechter?
Chemobrain Eine Person schreibt Aufgaben auf einen Zettel auf

 

Im Verlauf des Gesprächs kann es sinnvoll sein, sich die Informationen Ihres Arztes mitzuschreiben. Eventuell lohnt es sich für Sie auch, eine Zweitmeinung von einem anderen Fachmann einzuholen.3 Denken Sie immer daran: Ihr Gefühl, dass Ihr Gedächtnis nicht mehr die Leistung von einst erbringt, kennen viele KrebspatientInnen. Sie sind damit nicht allein und es gibt Maßnahmen, die den Konzentrationsstörungen entgegensteuern können, sofern diese Ihre ganz persönliche Krankheitsgeschichte berücksichtigen.1

Ursachen: Wie kommt es zu den Gedächtnisstörungen?

Der Begriff Chemobrain mag den Anschein erwecken, dass die kognitiven Beschwerden eindeutig mit einer Chemotherapie zusammenhängen. Studienergebnisse konnten jedoch keinen solchen Zusammenhang nachweisen.4 Experten gehen davon aus, dass es vielmehr eine Reihe von Faktoren sind, die diese Beschwerden auslösen können. Neben dem Einfluss verschiedener Krebstherapien wie z. B. Chemo-, Hormon-, Strahlen- oder Immuntherapie1 werden auch folgende Hauptverursacher genannt:

  • Verminderung der roten Blutkörperchen
  • Stress
  • Depressionen
  • Angst
  • hormonelle Änderungen
  • medikamentöse Nebenwirkungen
  • Fatigue/schwere Erschöpfung, Schlafstörungen3

Fatigue oder auch chronische Müdigkeit kann durch eine Krebstherapie hervorgerufen werden. Betroffene fühlen sich müde, abgeschlagen und stark erschöpft. Nicht selten können Konzentrationsschwäche und Gedächtnisprobleme hinzukommen.5 Die Symptome einer Fatigue sind manchmal also nicht eindeutig von den Symptomen von Chemobrain abzugrenzen. Was bei chronischer Müdigkeit hilft, kann womöglich auch ein guter Ansatz für die Symptomlinderung bei Chemobrain sein.1 Auch hier gilt: In einem gemeinsamen Gespräch mit Ihrem Arzt können Sie herausfinden, ob Sie unter Fatigue leiden und mögliche Schritte dagegen unternehmen.

Eine Krebserkrankung kann die Psyche stark belasten. Dass psychologische Faktoren Gedächtnisbeschwerden hervorrufen können, gilt als wahrscheinlich. Krebs greift meist tief in das Leben ein. An manchen Tagen überwiegen Ängste und Sorgen, der Alltag in seiner bisherigen Form existiert meist nicht mehr. Das geht nicht spurlos an Betroffenen vorbei. Die psychische Belastung verursacht Stress, der sich wiederrum auch negativ auf die Gedächtnisleistung und Gehirnfunktion auswirken kann.6

Chemobrain: Was können Sie dagegen tun?

Chemobrain Puzzleteile

 

Wenn Stress eine mögliche Ursache für die kognitiven Beschwerden ist, könnten Ihnen Entspannungstechniken wie autogenes Training oder progressive Muskelentspannung nach Jacobsen zum Stressabbau helfen. Aber auch Gedächtnistrainings wie Kreuzworträtsel oder Denksportaufgaben sowie Konzentrationstrainings könnten innerliche Anspannung lösen und Ihre Konzentrationsfähigkeit steigern.2 Es gibt also durchaus ein paar Maßnahmen, mit denen Sie aktiv gegen Ihre kognitiven Einschränkungen vorgehen können. Probieren Sie doch mal folgende Tipps aus:

  • Beobachten Sie, zu welcher Tageszeit Ihre Konzentration am besten ist. Nutzen Sie diese Zeit für Aufgaben, die besonders herausfordernd sind. 
  • Teilen Sie umfangreiche Aufgaben in viele, kleine Aufgaben auf und lösen diese Schritt für Schritt.
  • Bewegen Sie sich an der frischen Luft, sobald Sie sich nicht mehr gut konzentrieren können.
  • Planen Sie regelmäßige Pausen zwischen Ihren Aufgaben ein und nehmen Sie sich Zeit zum Essen und Trinken.
  • Ihr Notizblock wird zu Ihrem treuen Begleiter. Packen Sie ihn immer ein und schreiben Sie wichtige Dinge direkt auf.
  • Nutzen Sie einen Kalender für Ihre Termine.3

Daneben können Sie auch ein paar ganz allgemeine Dinge im Alltag beachten, um Ihr Wohlbefinden, Ihre Gesundheit, aber auch Ihre Konzentrationsfähigkeit zu steigern. Dazu zählen u.a.

Auch wenn die Ursache für die Gedächtnisprobleme bei KrebspatientInnen noch nicht eindeutig geklärt ist, ist es unumstritten, dass solche Probleme häufig auftreten. Studienergebnisse deuten aber auch daraufhin, dass die Beschwerden nur über einen gewissen Zeitraum anhalten.8 Wie lang das ist, unterscheidet sich jedoch stark von Patient zu Patient. Als Betroffener sollten Sie daher Ihre Probleme ernst nehmen und offen mit Ihrem Arzt darüber sprechen.

  1. https://www.krebsinformationsdienst.de/aktuelles/2020/news039-krebs-therapie-chemobrain-kognitive-beeintraechtigung.php, zuletzt abgerufen am 21.11.20.
  2. http://www.klinikum.uni-muenchen.de/Brustzentrum/download/inhalt/publikationen/Phantom_Chemobrain.pdf, zuletzt abgerufen am 21.11.20.
  3. Stiftung Deutsche Leukämie- & Lymphom-Hilfe. „Chemohirn“ Konzentrationsstörungen und Gedächtnisschwäche bei Krebs. 7. Auflage August 2020. Abrufbar unter: https://stiftung-dlh.de/broschueren-zu-blutkrebs/.
  4. Kerstin Hermelink et al., Chemotherapy and Post-traumatic Stress in the Causation of Cognitive Dysfunction in Breast Cancer Patients, JNCI: Journal of the National Cancer Institute, Volume 109, Issue 10, October 2017, djx057, https://doi.org/10.1093/jnci/djx057.
  5. https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/basis-informationen-krebs-allgemeine-informationen/fatigue-bei-krebs.html, zuletzt abgerufen am 21.11.20.
  6. https://www.pharmazeutische-zeitung.de/ausgabe-362015/was-ist-schuld-am-chemobrain/, zuletzt abgerufen am 21.11.20.
  7. https://www.krebs-und-ich.de/ratgeber/nebenwirkungen/artikel/chemobrain-oder-krisenhirn/, zuletzt abgerufen am 21.11.20.
  8. Amidi et al, Long-term subjective cognitive functioning following adjuvant systemic treatment: 7–9 years follow-up of a nationwide cohort of women treated for primary breast cancer, British Journal of Cancer volume 113, pages794–801(2015), July 2015, DOI: 10.1038/bjc.2015.243.

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