Zeit mit den Liebsten

Das erste Weihnachtsfest nach der Krebsdiagnose

Eine Krebsdiagnose stellt in kürzester Zeit das Leben vieler Menschen auf den Kopf. Nicht nur für die Betroffenen selbst ist plötzlich alles anders. Auch Familie und Freunde müssen lernen, mit der neuen Situation umzugehen. Insbesondere die Weihnachtszeit stellt die Patienten vor viele Hürden: Im Alltag kann noch versucht werden, neue Tagesabläufe einzuführen und wenigstens etwas Normalität zu finden. Doch gerade die Feiertage mit der Familie zeigen, dass sich Vieles verändert hat. Dennoch bietet genau diese besinnliche Zeit die Möglichkeit, neue Kraft zu tanken. Wir haben zusammengefasst, welche Bedeutung Freunden und Familie zum Fest der Liebe zukommt und wie Krebspatienten und ihre Angehörigen Hürden gemeinsam bewältigen können.

Kaminfeuer

Jeder Mensch geht anders mit seiner Diagnose und dem sich anschließenden Genesungsweg um. Krankheit und Behandlung hinterlassen oft traumatische Spuren, über die viele scheinbar mit niemandem sprechen können. In dieser Situation kann es helfen, sich bewusst zu machen, dass man nicht alleine ist. Bei anderen Betroffenen, Ärzten und Therapeuten findet man Ansprechpartner. Doch auch Familie und Freunde möchten in der Regel helfen und einbezogen werden, um die neue Situation besser zu verstehen. Auch für sie ist die Diagnose nicht immer einfach zu verarbeiten. Es fällt ihnen schwer, den geliebten Menschen leiden zu sehen. Viele wissen nicht, wie sie helfen können oder wie sie sich verhalten sollen und wählen daher den Weg der Zurückhaltung oder ignorieren die Situation. Dies muss jedoch gar nicht sein. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Hindernisse gemeinsam zu überwinden.

Mit der Familie offen über Gefühle reden

Der einfachste Weg ist es, Bedenken und Unsicherheiten offen anzusprechen. Würden Sie dem Betroffenen gerne etwas Leckeres kochen und vorbeibringen? Fragen Sie vorher nach, ob das eine sinnvolle Unterstützung wäre und welches Gericht er am liebsten isst. Sie möchten zeigen, dass Sie während der Therapie für den Betroffenen da sind? Bieten Sie zum Beispiel an, ihn zum nächsten Arztgespräch zu begleiten, während der Behandlung dabei zu sein oder im Alltag Zuhause zu unterstützen. Sie wollen den Betroffenen gerne mit einer Aufmerksamkeit überraschen, sind sich aber nicht sicher, was angemessen ist? Dann fragen Sie im näheren Umfeld nach oder besprechen Sie dies mit weiteren Angehörigen.

Auch als Betroffener sollten Sie nicht davor Halt machen, im Freundeskreis und der Verwandtschaft um Hilfe zu bitten. Es gibt sicherlich viele Gründe für Sie, nicht zu fragen: sei es der Stolz, Hilfe anzunehmen, der Wunsch, niemandem zur Last fallen zu wollen oder der Versuch, die Diagnose zu verdrängen. Für Angehörige ist es nicht immer einfach, zu erkennen, was Sie brauchen oder wie sie helfen können. Doch auch wenn es für Sie nicht den Anschein macht: gerade die Familie will helfen. Daher ist es auch für Sie der beste Weg, ihre Bedenken offen auszusprechen.

Versuchen Sie, in Worte zu fassen, was in Ihnen vorgeht. Sagen Sie, wie sie Ihnen helfen können, was sie vermeiden sollen. Sprechen sie aus, wie Sie sich Ihr gemeinsames Weihnachtsfest vorstellen oder was Sie in der Weihnachtszeit gerne unternehmen möchten. Sprechen Sie an, was Sie fühlen, was Sie hören oder nicht hören möchten, was Sie denken und was Sie sich wünschen. Das „Fest der Liebe“ hat nicht umsonst diesen Namen. Der Austausch mit Nahestehenden kann Ihnen bei der Bewältigung Ihrer Krankheit helfen, Sie beruhigen, Ihnen dabei helfen, an etwas anderes zu denken und Ihnen Kraft geben. Die Unterstützung der engsten Vertrauten sollten Sie in Anspruch nehmen – vor allen Dingen dann, wenn Einsamkeit und Ängste zu übermannen drohen.

"Weihnachten lädt uns zur Gemeinsamkeit ein, zum Nehmen und Geben, zum Zuhören und Verstehen."

Richard von Weizsäcker

Neue Traditionen schaffen

Patienten fragen sich vielleicht, wie sie das Fest richtig genießen sollen, wenn sie nicht nur auf Plätzchen, sondern auch auf so vieles andere verzichten müssen. Sie überlegen, ob die Krankheit die weihnachtliche Stimmung beeinflusst und ob sie die Feierlichkeiten trotz ständiger Müdigkeit und der Erschöpfung durchhalten können. Sie denken darüber nach, wie es für die anderen Familienmitglieder ist, wenn man nicht mehr die gleiche Kraft, den selben Elan oder die Sorglosigkeit von früher hat. Oder darüber, wer sich nun um das Essen kümmert und den Baum aufstellt, wenn sie es nicht mehr können. Lassen Sie sich von diesen Bedenken nicht davon abhalten, ein schönes Weihnachtsfest zu verbringen.

Vielleicht versuchen Ihre Angehörigen, auf Ihre Bedürfnisse einzugehen, obwohl Sie viel eher ein Stück Normalität benötigen. Doch besonders an Weihnachten möchten Sie nicht ständig an die Krankheit erinnert werden. Trotzdem können Traditionen rund um Weihnachten und die Zeit mit der Familie und Freunden auch verändert werden. Probieren Sie Neues aus! Wie wäre es mit einem gemeinsamen Spaziergang, statt Feuerzangenbowle? Oder einem Festtagsmenü, bei dem jeder etwas mitbringt und nicht nur eine Person alles zubereitet? Sind Sie zu erschöpft, Weihnachtseinkäufe zu tätigen, bestellen Sie Geschenke einfach online oder bitten Sie Freunde und Familie um Hilfe. Auch können Sie zusammen mit einem Freund Plätzchen backen und diese verschenken.

Wichtig ist, dass Sie die Zeit mit Freunden und Familie genießen und die heilsame Wirkung der Nähe und Geborgenheit wahrnehmen können. Immerhin können Sie in diesem Kreis so sein, wie Sie sind. Gerade diesen Menschen ist das Wohlbefinden des Krebspatienten am wichtigsten. Machen Sie sich bewusst, wie wichtig der Kontakt zu Ihren Lieben ist und wie viel diese in der Vergangenheit schon für Sie tun konnten. Die Krankheit lastet auf Ihren Schultern, aber Freunde und Familie können diese Last erleichtern und Sie begleiten. Verschließen Sie sich nicht davor, sondern versuchen Sie, Vertrauen aufzubauen und sie in Ihr Leben einzubeziehen, sodass Sie zusammen lernen, mit der Krankheit umzugehen.

Pärchen in Bergen

Schöne Weinachtszeit totz Ängsten

Die Angst ist der ständige Begleiter eines jeden Krebspatienten und auch an Weihnachten bleibt sie nicht aus. Dies wird noch schwieriger, wenn an Heiligabend alle zusammenkommen und die gemeinsame Zeit zu genießen. Besonders in schönen Momenten taucht sie auf und bringt Trauer mit sich. Wenn die Kinder oder Enkel ihre Geschenke auspacken, die Mutter in der Küche steht, um das geliebte Weihnachtsessen vorzubereiten oder der Lebenspartner den Christbaum aufstellt. Es ist schwierig, in diesen Augenblicken stark zu bleiben und die Angst nicht zuzulassen. Versuchen Sie, im Moment zu bleiben, weniger an die ungewisse Zukunft zu denken und aus dem Schönen Optimismus zu ziehen. Genießen Sie die schöne Weihnachtszeit, um sich in schwierigen Phasen daran zu erinnern, wofür es sich zu kämpfen lohnt. Wenn Sie die Angst nicht in Ruhe lässt, können Sie auch Entspannungstechniken ausprobieren oder versuchen, mit einem Therapeuten darüber zu sprechen. Wichtig ist, dass Sie sich nicht zurückziehen und verschließen.

Lassen Sie sich anstecken von festlicher Stimmung, guter Laune und Lachen. Natürlich dürfen Sie auch traurig sein. Lassen Sie Ihre Lieben an Ihrer Trauer teilhaben. Weinen Sie zusammen, um hinterher gemeinsam Kraft zu finden, um der Krankheit die Stirn zu bieten.

Christbaumkugel an Baum

Geschenkideen für Krebspatienten

Auch Angehörige machen sich vor dem gemeinsamen Weihnachten viele Gedanken – etwa ob der Betroffene beschenkt werden möchte und womit man ihm eine Freude machen kann. Die Ernährungsberaterin und Autorin Merle Zirk hat selbst schon gegen den Krebs gekämpft. Sie hat einige Geschenkideen zusammengetragen, die ihr während der Krankheit geholfen haben.

  • Das schönste Geschenk, das man einem Betroffenen machen kann, sei Zeit, sagt sie. Etwa Gutscheine für gemeinsame Unternehmungen, spontane Besuche oder Einladungen zum Frühstück oder Brunch. Der Beschenkte wird sich sicherlich freuen und die gemeinsame Zeit genießen.
  • Ein Wunsch vieler Patienten ist es, Normalität zurück ins Leben zu bekommen. Sie wünschen sich Unterstützung dabei. Bei einem längeren Krankenhausaufenthalt über Weihnachten hilft es, die Krankenhausatmosphäre in den Hintergrund zu stellen. Dazu können Sie je nach Zustand und Verfassung des Betroffenen zum Beispiel das Zimmer ein wenig dekorieren. Auch weihnachtlich duftender Tee macht Stimmung. Oder Sie verlegen das Fest komplett in das Krankenhaus. Um geschwächte Patienten nicht zu überfordern, sollte man im Vorhinein jedoch mit ihnen klären, ob sie sich das gesundheitlich vorstellen können.
Geschenk
  • Wer die Diagnose Krebs erhält, verbringt danach viel Zeit bei Ärzten und in Krankenhäusern. Er fühlt sich hilflos und vielleicht alleine. Daher ist es wichtiger denn je, sich zu Hause wohl und geborgen zu fühlen. Kuschelige Decken, flauschige Socken, gemütliche Hausschuhe oder wärmende Kirschkernkissen sind ein passendes Geschenk, um dieses Gefühl zu stärken.
  • Auch ein offenes Ohr wirkt manchmal Wunder. Als Angehörige sollten Sie daher so gut wie möglich zuhören, um Betroffenen eine Schulter zu bieten, an die sie sich anlehnen können.
  • Wie Merle Zirk auf ihrem Blog schreibt, sind auch gesundheitsfördernde Geschenke immer eine gute Idee, um Krebspatienten eine Freude zu machen. Verschenken Sie doch eine Saftpresse oder vorbereitete, gesunde Mahlzeiten.
  • Wichtiger als alles Materielle sind besonders in der Weihnachtszeit liebe Worte, geschrieben oder ausgesprochen, und Unterstützung im Haushalt, bei der Organisation wichtiger Termine (wie zum Beispiel einem Reifenwechsel) und Tätigkeiten, die dem Patienten das Leben leichter machen.

Lassen Sie sich nicht davon abhalten, die Zeit mit ihren engsten Vertrauten zu nutzen, um gemeinsam schöne Momente zu erleben. Lösen Sie sich dafür von alten Gewohnheiten und überlegen Sie sich stattdessen, was Sie Neues ausprobieren können. Wir wünschen Ihnen ein schönes Fest!