Wie Sie sich trotz Krebs den Kinderwunsch erfüllen

Nach dem ersten Schock wirft die Diagnose Krebs viele Fragen auf. Besonders junge Betroffene fragen sich, ob sie dennoch irgendwann Kinder bekommen können. Die gute Nachricht: eine Krebserkrankung bedeutet heute nicht gleich das Ende des Kinderwunsches. Dennoch sollte man sich direkt nach der Diagnose mit Behandlungsmethoden und möglichen Folgen auseinandersetzen.

Baby schläft

Diagnose Krebs

In Deutschland erkranken jährlich 15.000 Menschen zwischen 18 und 39 Jahren an Krebs1 und dabei sind auch häufig die Geschlechtsmerkmale betroffen: Mit rund 70.000 Neuerkrankungen pro Jahr ist der Brustkrebs mit Abstand die häufigste Tumorerkrankung bei Frauen. Eine frühe Diagnose und Fortschritte in der Therapie haben die Überlebensrate in den letzten Jahren deutlich erhöht. Über 80 Prozent der Frauen leben noch fünf Jahre nach der Diagnose und Behandlung. Bei Männern ist der Prostatakrebs die am häufigsten in Erscheinung tretende Krebserkrankung.2 26 Prozent von ihnen sind davon betroffen.3 Hodenkrebs ist dagegen eine seltenere Krankheit unter Männern. Allerdings betrifft sie 20-30 Prozent der Männer zwischen 25 und 45 Jahren und ist damit in dieser Altersgruppe die häufigste Krebsart.4

Für junge Männer und Frauen im gebärfähigen Alter ist diese Diagnose besonders erschütternd: Nicht nur ihr eigenes Leben steht auf dem Spiel, sondern auch ihre Lebensplanung verändert sich drastisch. Früher mussten viele junge Frauen und Männer nach einer Krebsbehandlung auf Kinder verzichten. Die Chemo- und Strahlentherapie hatte die Produktion von Samen- oder Eizellen beeinträchtigt und war möglicherweise Auslöser für eine Unfruchtbarkeit.

Heute können viele Betroffene durch verschiedene Therapien die Möglichkeit haben, trotz allem Kinder zu zeugen oder zu gebären. Die Behandlungsmethoden werden individuell auf die jeweilige persönliche Situation abgestimmt. Die behandelnden Ärzte informieren über das individuelle Risiko.

Auswirkungen der Krebserkrankung auf die Fruchtbarkeit

Für die meisten Krebspatienten steht der Erhalt der Fruchtbarkeit (Fertilität) im Vordergrund.5 Abhängig vom Tumor und der Schwere der Erkrankung, werden verschiedene Behandlungsmethoden angewendet, die sich unterschiedlich auf den Körper auswirken.

Abhängig von der Lokalisation und der Art des Tumors, kann dieser beispielsweise bei einer Operation mit dem umliegenden und befallenen Gewebe entfernt werden. Eine Chemotherapie, die meist von einer Strahlentherapie begleitet wird, zerstört die Tumorzellen; sie kann allerdings auch gesunde Zellen schädigen. Liegt der Tumor im Bereich der Geschlechtsorgane, können Eierstöcke sowie Ei- oder Samenzellen betroffen und somit auch die Fertilität beeinträchtigt werden. Mehr Informationen dazu finden Sie beim deutschen Krebsinformationsdienst.

Ein Kinderwunsch kann bei der Therapieauswahl berücksichtigt oder vorsorgliche Maßnahmen vor der Behandlung ergriffen werden. Viele Frauen und Männer können nach überstandener Krebstherapie auf natürlichem Wege wieder schwanger werden beziehungsweise Kinder zeugen. Voraussetzung ist, dass Hormonzyklus und Fortpflanzungsorgane wieder vollständig funktionieren. Wie sehr eine Chemo- oder Strahlentherapie die Fertilität einschränkt, hängt zudem von drei Faktoren ab: der Art der Krebsbehandlung, dem Alter des Patienten und den Eierstockreserven (Anzahl der noch in den Ovarien vorhandenen Eizellen) einer Frau oder der Gesamtanzahl an Spermien eines Mannes.

Positiver Schwangerschaftstest

So erfüllen Sie sich dennoch Ihren Kinderwunsch

Da eine Schwangerschaft erst nach erfolgreicher Krebsbehandlung möglich ist, können Frauen vor deren Beginn beispielsweise Eierstockgewebe im Rahmen einer Bauchspiegelung von einem Gynäkologen entnehmen lassen.6 Das Gewebe wird eingefroren und lässt sich später wieder einpflanzen. Für junge Frauen ist diese Form der Erhaltung ihrer Fertilität ideal, da sie noch viele Eizellen haben. Eine andere Behandlungsmöglichkeit ist die Stimulation, auch sogenannte In-vitro-Fertilisation (IVF) genannt. Sie dient der Herbeiführung einer Schwangerschaft ohne Geschlechtsverkehr und mithilfe eines medizinischen Eingriffs. Hierbei werden die Eierstöcke der Frau hormonell stimuliert, um eine Hyperaktivität dieser, einhergehend mit einem erwünschten Heranreifen mehrerer Eizellen, zu erzielen. Diese Behandlungsmethode wird vorwiegend bei Frauen durchgeführt, die einen sogenannten hormonunabhängigen Tumor haben. Die gereiften Eizellen werden entnommen und eingefroren. Nach der Krebsbehandlung können sie aufgetaut, im Reagenzglas befruchtet und dann der Frau wieder eingepflanzt werden.

Risken bestehen beispielsweise, wenn die Vergrößerung der Eierstöcke so stark ist, dass Übelkeit, Bauchschmerzen oder auch ein Zuwachs des Bauchumfangs entstehen können. Auch die Wahrscheinlichkeit einer Mehrlingsschwangerschaft ist erhöht, da bei der IVF bis zu drei Embryonen übertragen werden. Hinzu kommt ein geringfügig erhöhtes Risiko einer Fehlbildung des Fötus – dies ist jedoch häufig dem durchschnittlich höheren Alter von Kinderwunschpatienten und die teilweise vorhandene erbliche Vorbelastung und Ihrem vorherigen Krankheitsverlauf zuzuschreiben. Die Chancen auf eine Schwangerschaft hängen bei der IVF von mehreren Faktoren ab: Einerseits spielt das Alter der Frau eine Rolle, sowie die Anzahl der Versuche und die Ursache der Fruchtbarkeitsstörung.

Bei guten Voraussetzungen kommt es nach einer einzigen IVF Behandlung in 25-35 Prozent der Fälle zu einer Schwangerschaft. Die Anzahl der Versuche ist aus finanziellen und körperlichen Aspekten jedoch nicht unbegrenzt.

Der Vollständigkeit halber, gibt es neben der IVF weitere Methoden, eine Schwangerschaft mit Hilfe eines medizinischen Eingriffs herbeizuführen – auch diese sind individuell auf das Paar, dessen Hintergrund und Wünsche abgestimmt.

Auch bei einer ärztlichen Behandlung von ungewollter Kinderlosigkeit gibt es Chancen und Risiken. Ein Gespräch mit Ihrem Arzt kann Ihnen auch hier helfen, diese abzuschätzen, Ihre Fragen und Sorgen zu klären und mögliche andere Methoden in Betracht zu ziehen.7

Eine Chemotherapie führt bei Männern hingegen häufig zu einer Reduktion der Anzahl der Spermien. Auch die Ejakulation und Erektion kann betroffen sein. Eine Empfängnis der Frau während der Chemotherapie des Mannes wäre hier unsicher und birgt aufgrund der Medikamentengabe Risiken für den Fötus. Auch junge Männer haben vor der Chemotherapie die Möglichkeit, ihre Spermien einfrieren zu lassen.

Der richtige Zeitpunkt nach einer Therapie ist somit von vielen individuellen Faktoren abhängig – wie etwa dem konkreten Krankheitsverlauf, dem Rückfallrisiko sowie der Prognose und dem Alter der Patienten.

Bitte berücksichtigen Sie hierbei jedoch vorrangig Ihre körperliche und geistige Gesundheit, bevor Sie mögliche Behandlungsmethoden in Betracht ziehen. Denken Sie an sich – denn wenn Sie sich in Ihrer Haut nicht wohl fühlen, wirkt sich das auch auf die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft aus.

Schwangeres Paar mit Babyschuhen

Geeignete Anlaufstellen

Falls Sie sich von Ihrem Arzt nicht ausreichend beraten fühlen, so haben Sie die Möglichkeit, entsprechende Adressen im jeweiligen Wohnumfeld aufzusuchen. Eine Auflistung möglicher Ansprechpartner finden Sie zum Beispiel auf der Webseite http://fertiprotekt.com/. Auch die Deutsche Krebshilfe bietet auf ihrer Webseite einen Ratgeber an, der aufschlussreiche Informationen zum Thema liefert – darunter der Kinderwunsch bei verschiedenen Formen der Erkrankung, die Erhaltung der Fruchtbarkeit, sowie die künstliche Befruchtung und dessen Kosten. Hier finden Sie ebenso weiterführende Adressen, an die Sie sich wenden können.

Adoption und Pflegeelternschaft

Aufgrund Ihrer Erkrankung ist eine Schwangerschaft nicht mehr möglich? Sie möchten sich aber dennoch Ihren Wunsch nach einem Kind erfüllen? In diesem Fall besteht immer noch die Möglichkeit, ein Kind zu adoptieren oder eine Pflegeelternschaft zu beantragen. Denn auch für Kinder, die nicht bei ihren leiblichen Eltern aufwachsen können, bedeutet die Adoption ein Leben in einer neuen Familie. Folgende Punkte sollten Sie bei einer Adoption oder einer Pflegeelternschaft beachten:

  • Bei einer Adoption kann das Kind entweder direkt nach der Geburt oder zu einem späteren Zeitpunkt in eine Adoptivfamilie vermittelt werden; die Einwilligung kann jedoch frühestens acht Wochen nach der Geburt des Kindes erfolgen.
  • Wer ein Kind adoptieren möchte, unabhängig aus welchem Land das Kind stammt, muss nach dem deutschen Recht unbeschränkt geschäftsfähig und mindestens 25 Jahre alt sein.
  • Außerdem ist die Einwilligung des Kindes erforderlich – sie wird bei Kindern unter 14 Jahren durch den gesetzlichen Vertreter erklärt.
  • Einer Adoption vorangehend ist immer eine Adoptionspflegezeit, in der geprüft wird, ob ein Eltern-Kind-Verhältnis entstanden ist.
  • Es gibt zudem unterschiedliche Formen der Adoption: die halboffene, offene und Inkognito-Adoption – diese beschreiben das Verhältnis der leiblichen Eltern zu den Adoptiveltern; in Deutschland sieht das Gesetz die Form der Inkognito Adoption vor, bei der die leiblichen Eltern die Adoptiveltern nicht kennen lernen oder mit diesen in Kontakt treten.
  • Pflegeeltern erhalten im Gegensatz zur Adoption nicht das Sorgerecht für das ihnen anvertraute Kind – die elterliche Sorge verbleibt auch bei einem Pflegeverhältnis grundsätzlich bei den leiblichen Eltern oder dem Jugendamt.
  • Die Entscheidungsbefugnis in Angelegenheiten des täglichen Lebens des Kindes obliegt den Pflegeeltern, vorausgesetzt das Pflegeverhältnis dauert länger an; ebenso erhalten die Pflegeeltern staatliche finanzielle Unterstützung für den Unterhalt des Kindes und für ihren erzieherischen Einsatz.

Auf der Webseite des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend haben Sie die Möglichkeit, ausführliche Informationen zum Thema Adoption und Pflegeelternschaft zu erhalten. Auch bieten die zuständigen Jugendämter und anerkannten (Auslands-)Vermittlungsstellen Informationsdienste an.

Wie Sie Ihren Kinderwunsch letztendlich umsetzen möchten, liegt ganz bei Ihnen. Wichtig ist nur zu wissen, dass Ihre Situation nicht ausweglos ist. Wir wünschen Ihnen auf Ihrem Weg alles Gute.

 

Quellen:

1 www.welt.de

2 www.lifeline.de

3 Deutsche Krebsgesellschaft (2014). Patientenratgeber Prostatakrebs. Berlin.

4 www.krebsgesellschaft.de

5 Schover et al. Cancer, 1999, 86: 697-709.

6 http://fertiprotekt.com/entnahmeundtransplantationvoneierstockgewebe

7 http://www.uni-frauenklinik-tuebingen.de/chancen-und-risiken-der-behandlung.html