Prostatakrebs und Partnerschaft – wie die Diagnose das Leben danach beeinflussen kann

Nach der Krebsdiagnose ist es das Wichtigste, sich auf seine Genesung zu konzentrieren und den Krebs zu besiegen. Bei Prostatakrebs kann die Behandlung das Leben und die Partnerschaft beeinflussen, denn es gibt Therapien, die sich auf das sexuelle Befinden auswirken können. Deshalb ist es vorher empfehlenswert, sich über mögliche Auswirkungen der Methoden zu informieren. Dieser Post sammelt nützliche Tipps, um die körperlichen Herausforderungen, als auch die emotionalen Schwierigkeiten, die einem begegnen können, zu bewältigen.

Älteres Ehepaar bei Spaziergang

 

Eine Krebsdiagnose verändert das Leben grundlegend. Vieles, was bisher selbstverständlich war, wird plötzlich in Frage gestellt. Krankheit und Behandlung können über einen längeren Zeitraum die ganze Aufmerksamkeit fordern und die Gedanken fast ausschließlich darum kreisen lassen. Einige Männer fühlen sich durch das Wissen, dass der Krebs behandelt oder unter Kontrolle ist, ermutigt. Andere haben Bedenken, dass sie sich nach der Behandlung oder Operation weniger „männlich“ fühlen oder sich die Krankheit auch nach der erfolgreichen Behandlung auf ihr Leben und besonders ihre Partnerschaft auswirkt. Je nach Gefühlslage und eigenem Befinden ist es jedoch wichtig zu wissen, dass es verschiedene Möglichkeiten gibt, mit den Auswirkungen der Erkrankung umzugehen.

Verschiedene Behandlungen – Einfluss auf das Liebesleben

Nach der Diagnose gibt es verschiedene für Sie passende Optionen, um die Erkrankung zu bekämpfen. Eine Beeinträchtigung des Sexuallebens ist dabei leider keine Seltenheit – besonders bei Männern mit einem Prostatakarzinom, denn in den wenigsten Fällen ist eine nervenerhaltende Operation möglich. Ist dies nicht durchführbar, kann es dazu kommen, dass Nerven und Blutgefäße nahe der Prostata durchtrennt werden, die für die Sexualität eine wichtige Rolle spielen. Nach der Operation bildet sich häufig keine Samenflüssigkeit mehr, da Samenbläschen und -leiter entfernt werden.

Wie bei der nervenerhaltenden Operation besteht auch bei der konventionellen Strahlentherapie ein geringes Risiko, dass Nerven und Blutgefäße geschädigt werden. Das Risiko ist hier allerdings durch innovative Strahlentherapien, wie die des Cyberknifes, deutlich geringer – eine hohe Strahlendosis mit präziser Sub-Millimeter-Genauigkeit ermöglichen eine gezielte Bestrahlung des Tumors und minimieren Nebenwirkungen auf das umgebende gesunde Gewebe.1 Auch die hormonelle Therapie kann sich auf das sexuelle Empfinden auswirken: bei vielen Männern lässt das sexuelle Interesse deutlich nach. Selbst wenn die Erektionsfähigkeit bewahrt werden kann, kann sich Ihr sexuelles Interesse und somit auch ihr Liebesleben verändern.

Mann steht an einem See

Sich selbst akzeptieren

Neben der Angst um die Zukunft, kommen bei vielen Krebspatienten zusätzlich Probleme mit dem Selbstwertgefühl hinzu. Die Krankheit und Therapie hinterlassen häufig Spuren, sowohl physisch als auch psychisch, die einen verändern können: Ganz plötzlich und unvermittelt wird die Krankheit zu einem wesentlichen Bestandteil des Lebens. Unsicherheit und Ängste sind vor einem intimen Moment der Zweisamkeit mit einem anderen Menschen nicht ungewöhnlich. Vielleicht geht es Ihnen auch so und sie fragen sich, wie Ihr Partner auf die körperlichen Veränderungen reagiert oder ob Sie immer noch als attraktiv wahrgenommen werden. Befinden Sie sich in einer ähnlichen Situation ist es wichtig, dass Sie mit Ihrem Partner über diese Gefühle sprechen.

Auch wenn diese Fragen beängstigend sein können, gilt folgendes: Unabhängig von den jeweiligen Eingriffen und Behandlungsmaßnahmen hat jeder Patient die Chance auf ein befriedigendes Sexualleben. Die entscheidende Hürde liegt in der Überwindung der eigenen Hemmungen. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung ist es, sich selbst mit all seinen Spuren, die der Krebs hinterlassen hat, zu akzeptieren und mit den Veränderungen leben zu lernen. Meist geschieht das nicht von heute auf morgen. Lassen Sie sich daher Zeit und setzen die sich nicht selbst unter Druck.

Älteres Ehepaar

Den Partner einbeziehen beim Thema Prostatakrebs

 

Auch wenn die Krebserkrankung primär Sie als Patienten betrifft, ist es wichtig, sich nicht zu verschließen und mit seinem Partner über die Erkrankung und ihre Auswirkungen zu sprechen. Meist ist man so konzentriert auf den Kampf gegen den Krebs oder ist durch die Nebenwirkungen so stark beansprucht, dass Sex zweitrangig wird.

Auch nach abgeschlossener Behandlung dauert es oft einige Zeit, ehe die sexuelle Lust wiederkehrt. Früher oder später ist dies bei vielen Patienten jedoch der Fall. Dann gilt es, sich nicht von Angst oder Unsicherheit beherrschen zu lassen, aber auch nicht übereilt das Sexleben wiederaufzunehmen, ehe man überhaupt dazu bereit ist. Auch kann es sein, dass Sie und Ihr Partner zunächst etwas mehr Zeit benötigen oder sich das Liebesleben nach der Therapie verändert: Möglicherweise verspüren Sie Schmerzen, wenn Sie an bestimmten Stellen berührt werden, oder Selbstwertgefühl und Selbstbild haben durch die schwierige Krankheitszeit Schaden genommen.

Das Wichtigste ist es, dass Sie offen mit Ihrer Partnerin oder Ihrem Partner über ihre Sorgen, Ängste und Bedürfnisse sprechen und auch die andere Sicht erfahren — denn vielleicht stellen Sie sich die Situation problematischer vor als sie ist. Oft macht „das Schweigen des Mannes“ dem Partner mehr Probleme als die vermeintlichen Schwierigkeiten an sich. Viele Menschen kostet es eine enorme Überwindung, über sexuelle Gefühle, Lüste und Wünsche zu sprechen, auch wenn man einander sehr nahe steht.

Es lohnt sich allerdings, Hemmungen zu überwinden. Es ist leichter, sich an die Bedürfnisse des Partners anzupassen, wenn er Ängste und Sorgen offen kommuniziert. Haben Sie Probleme sich zu öffnen oder merken Sie, dass sich trotz allem einige Schwierigkeiten ergeben, können Sie sich an Beratungsstellen oder Selbsthilfe-Organisationen wenden. Diese können Anlaufstellen sein, um Sie dabei zu unterstützen, Ängste zu bewältigen und das eigene Selbstwertgefühl zu steigern.

Mann mit Hut

Ein erfülltes Liebesleben – trotz Erkrankung

 

Generell sollten Männer, die nach der Behandlung eines Prostatakarzinoms unter Impotenz leiden, mit ihrem Urologen sprechen. Denn heutzutage stehen Männern auch nach der Therapie einige Möglichkeiten zur Verfügung, um auch nach der Prostatabehandlung ein erfülltes Liebesleben zu haben. Die Verwendung solcher Hilfsmittel, die wir Ihnen unten aufführen, mag anfangs gewöhnungsbedürftig sein. Häufig werden sie nach einiger Zeit aber zu einem natürlichen Bestandteil der Beziehung. Wichtig ist es, den allgemeinen Gesundheitszustand, Ihr Anliegen und Ihre persönlichen Vorlieben zu berücksichtigen und sich ausführlich über die verschiedenen Methoden beraten zu lassen.

  • Eine Möglichkeit zur Verbesserung der Erektionsfähigkeit und -dauer sind Medikamente, die oral eingenommen oder über die Harnröhre verabreicht werden können. So greifen zum Beispiel einige Patienten auf Anraten ihres Arztes auf verschreibungspflichtige Tabletten der Wirkstoffklasse PDE-5-Hemmer zurück. Die Wirkstoffe steigern kein sexuelles Verlangen, rufen aber eine Erektion bei sexueller Erregung hervor. Dies gelingt bei Männern mit Prostatakarzinom nach der Operation, bzw. Strahlentherapie allerdings nur, wenn die entsprechenden Nerven und Blutgefäße teilweise erhalten sind.
  • Darüber hinaus gibt es Arzneimittel, die direkt in den Penisschaft injiziert werden und eine Erektion hervorrufen. Allerdings setzt sie voraus, dass sich der Mann oder der Partner den Umgang mit der Spritze aneignet. Dies ist allerdings nicht sonderlich kompliziert und vergleichbar mit dem Erlernen des Insulinspritzens bei einer Diabeteserkrankung.
  • Für Patienten, bei denen die medikamentösen Verfahren nicht einsetzbar sind, stehen darüber hinaus mechanische Erektionshilfen zur Verfügung. Häufig genügt es, den Penis mithilfe eines Massagegeräts zu stimulieren und die Erektionsdauer mithilfe eines Penisrings zu verlängern.
  • Sollte die Wirkung des Massagegeräts nicht genügen, stellt die Penispumpe eine mögliche Alternative dar. Hier wird das Glied in einen transparenten Kunststoffzylinder eingeführt. Mittels Pumpe wird ein Unterdruck erzeugt, sodass mehr Blut in die Schwellkörper strömen kann. Ist die gewünschte Erektionsstärke erreicht, verhindert ein Gummiring, dass das Blut zu schnell zurückfließt.
  • Eine weitere Methode, die jedoch einen operativen Eingriff voraussetzt, stellt das Penisimplantat dar. Das am weitesten verbreitete besteht aus zwei weichen, aufblasbaren Zylindern, die in die Schwellkörper eingelegt werden. Durch Betätigung einer Pumpe, die sich nicht sichtbar, aber gut tastbar im Hodensack befindet, kann man die Zylinder mit einer Flüssigkeit füllen. Dadurch kann sich der Penis versteifen, beziehungsweise kann die Flüssigkeit wieder abgelassen werden, sodass der Penis erschlafft.
  • Auch die Wirkung von Stützkondomen basiert auf diesem Prinzip. In diesem Fall entsteht der Unterdruck, indem die Luft durch ein individuell angepasstes Kondom abgesaugt wird, dass während des Geschlechtsverkehrs am männlichen Glied verbleibt.
Älteres Ehepaar auf Parkbank

Mit den Sorgen nicht alleine

Haben Sie keine Hemmungen, mit Ihrer Familie und Ihrem Arzt zu sprechen. Familienmitglieder können Ihnen moralisch beistehen und Sie z.B. zu den medizinischen Checks begleiten oder gemeinsam mit Ihnen darauf achten, dass Sie die Therapie einhalten. Die Erkrankung kann aber auch bei Ihrem Partner zu Stress, Depressionen, Verlust der Intimität und verändertem Lebensstil führen. Sprechen Sie deshalb offen mit ihm. Er kann eine großartige Quelle der emotionalen Unterstützung sein. Auch der Austausch mit anderen Betroffenen kann Sie ermutigen. Selbsthilfeorganisationen fördern solche Begegnungen, Internetforen sind eine weitere Möglichkeit.

Weiterführende Links:

Deutsche Krebsgesellschaft e. V. www.krebsgesellschaft.de 
Deutsche Krebshilfe e.V. www.krebshilfe.de 
Krebsinformationsdienst Deutsches Krebsforschungszentrum www.krebsinformationsdienst.de 

  1. Freeman, D., Dickerson, G., & Perman, M. (2015). Multi-institutional registry for prostate cancer radiosurgery: a prospective observational clinical trial. Frontiers in oncology, 4, 369.