Mit Prostatakrebs umgehen – Informationen zu Diagnose und Behandlung

Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Männern in Deutschland. Daher ist es wahrscheinlich, dass Sie jemanden kennen, der mit dieser Erkrankung diagnostiziert wurde oder diagnostiziert wird. Eine solche Diagnose zu erhalten ist für viele Patienten erschütternd und die vielen Informationen zu Behandlungsmöglichkeiten oder den nächsten Schritten können zusätzlich überwältigend erscheinen. Mit diesem Blogpost möchten wir Ihnen einen Überblick über die verfügbaren Behandlungsmöglichkeiten geben, damit Sie ein informiertes Gespräch mit Ihrem Arzt führen können.
 
 

Älterer Mann mit Mantel

Männer sind stark, stellen sich körperlichen Herausforderungen und sind mutig – jedenfalls nach einem typischen Klischee. Dass Männer auch erkranken können, findet darin jedoch keinen Platz. Männer müssen und können nicht immer stark, mutig und gesund sein. Jedoch ist dieses Bild noch immer in vielen Köpfen vorzufinden, weshalb es für viele umso erschreckender ist, dass Prostatakrebs mit 26 Prozent als häufigste Krebserkrankung bei Männern in Deutschland nicht gerade selten ist. Um die Krankheit rechtzeitig bekämpfen zu können, sind eine regelmäßige Krebsvorsorge sowie eine geeignete Therapie unerlässlich. Denn durch innovative Behandlungsmöglichkeiten ist das Risiko, den Kampf gegen den Prostatakrebs nicht zu gewinnen, deutlich geringer.1

„Gesundheit ist die erste Pflicht im Leben.“

Oscar Wilde

Erste Symptome richtig deuten

Leider entspricht das Vorurteil, viele Männer würden Arztbesuche meiden, häufig der Realität. Oft werden vorhandene Symptome ignoriert und der Arzt erst dann aufgesucht, wenn die Beschwerden den Alltag bereits stark beeinflussen. Besonders bei Erkrankungen wie Prostatakrebs, für die es im Anfangsstadium noch keine typischen Symptome gibt, sich aber mit dem Fortschreiten der Krankheit entwickeln können, ist ein Arztbesuch unerlässlich. Denn viele der ersten Anzeichen können auch auf andere Krankheiten, wie beispielsweise auf eine gutartige Prostatavergrößerung (benigne Prostatahyperplasie) als auch auf ein gesundheitsgefährdendes Prostatakarzinom, hinweisen. Bei letzterem handelt es sich um eine Krebsform, die im Gewebe der äußeren Oberflächen des Körpers wie Ihre Haut beginnt, oder das Gewebe im Körper betrifft. Daher ist es wichtig, Ihren Arzt aufzusuchen, wenn Sie bestimmte Symptome aufweisen oder langfristige gesundheitliche Probleme haben. In jedem Fall kann es helfen, eine jährliche Untersuchung bei Ihrem Hausarzt zur Gewohnheit werden zu lassen.

Wenn Sie eines der folgenden Symptome aufweisen, sollten Sie Ihren Arzt kontaktieren2:

  • Schmerzen/Schwierigkeiten beim Wasserlassen durch abgeschwächten/unterbrochenen Harnstrahl, verminderte Urinmenge
  • Schmerzender/verminderter Samenerguss
  • Blut im Urin oder in der Samenflüssigkeit
  • Schmerzen im Gebiet/in der Prostata
  • Probleme beim Stuhlgang
  • Rückenschmerzen, vor allem im unteren Rückenbereich: Hüfte, Becken
  • Gehäuftes Wasserlassen, mehrmaliger Harndrang in der Nacht
  • Erektionsstörungen, Schmerzen bei der Erektion
  • Erschwerter oder schmerzhafter Stuhlgang
Mann sitzend vor Fenster

Die Diagnose

Sollten Ihnen einige der Beschwerden bekannt vorkommen und Sie Ihren Hausarzt oder Urologen aufsuchen, gibt Ihnen dieser Besuch Klarheit, ob es sich bei Ihnen um ein Prostatakarzinom handelt. Zwar ist vielen der Begriff Prostatakrebs bekannt, doch unklar, worum es sich tatsächlich handelt. Umgangssprachlich handelt es sich bei Prostatakrebs um einen bösartigen Tumor, der die Drüse oder Schleimhaut der Prostata befällt. Das Karzinom entwickelt sich in der Prostata und kann in fortgeschrittenen Stadien auch die Lymphknoten, Knochen oder andere Organe befallen.

Um den Krebs im frühestmöglichen Stadium zu behandeln, ist eine rechtzeitige Vorsorgeuntersuchung wichtig. In Deutschland haben Sie die Möglichkeit, ab 45 Jahren jährlich eine Prostatakrebsuntersuchung durchführen zu lassen. Zu diesem gesetzlichen Früherkennungsprogramm gehört das Abtasten der Prostata vom Enddarm aus sowie der männlichen Geschlechtsorgane und der Lymphknoten in der Leiste. Doch auch wenn viele wissen, wie lebenswichtig eine Untersuchung sein kann, scheuen sie den noch immer zu Unrecht mit Scham behafteten Gang zum Urologen. Sollten auch Sie sich bei diesem Gedanken unwohl fühlen, lassen Sie sich dennoch nicht davon abbringen. Bevor die Untersuchung stattfindet, kann Ihr Arzt Ihnen umfassende Informationen über die Untersuchung geben, die Ihnen dabei helfen können, sich auf die anstehende Untersuchung vorzubereiten und eventuelle Bedenken bezüglich des Verfahrens zu minimieren.

Es gibt verschiedene Untersuchungen, die Ihr Arzt durchführen kann, um festzustellen, ob Sie Prostatakrebs haben. Einer von ihnen ist das Abtasten der Prostata, um festzustellen, ob ein Knoten vorhanden ist. Mit Hilfe dieser Methode können allerdings nur große Tumore identifiziert werden, weshalb bei einem Verdacht weitere Untersuchungen durchgeführt werden müssen. Bildgebende Verfahren wie die Untersuchung durch eine Magnetresonanztomographie (MRT), eine Computertomographie (CT) oder den transrektalen Ultraschall (TRUS) können Veränderungen innerhalb der Prostata anzeigen, aber keine sichere Auskunft über ein mögliches Karzinom geben.

Durch die Messung des Prostata-spezifischen-Antigen-Werts (PSA) jedoch können Veränderungen der Prostata festgestellt werden und eine erste Abschätzung, wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist, kann stattfinden. Das PSA ist ein Eiweiß, das von Zellen der Prostata gebildet wird und ein erhöhter PSA-Wert kann ein guter Hinweis auf Prostatakrebs sein. Eine Veränderung Ihrer PSA-Werte muss für Sie aber nicht gleich ein Grund zur Sorge sein: bei fast jedem zweiten Mann ab dem 50. Lebensjahr tritt eine Veränderung der Prostata auf, bei der es sich auch um eine gutartige Vergrößerung der Drüse handeln kann. Sollte der PSA-Wert bei Ihnen über einen längeren Zeitraum mehrfach erhöht sein, sollten bei Ihnen Gewebeproben durch eine Biopsie entnommen werden. Somit ist das Prostatakarzinom deutlich sicherer festzustellen.

Um Ihre Diagnose, den Arztbrief und die darin verwendeten Abkürzungen und medizinischen Begriffe besser zu verstehen, könnte Ihnen dieser Blogartikel weiterhelfen.
 

Lachender Mann beim Boxen

Mit der passenden Therapie gegen den Krebs ankämpfen

Wenn Ihre Untersuchungsergebnisse bestätigen, dass Sie an Krebs erkrankt sind, müssen Sie und Ihr Arzt die Behandlungsmethode auswählen, die für Sie am besten geeignet ist. Die passende Therapieform hängt unter anderem von Ihrem Alter, Ihrer Gesundheit, Ihrem Lebensstil und der Aggressivität des Tumors, also dem Stadium und den Eigenschaften der Tumorzellen ab. Bei den Krebsstadien unterscheidet man grundsätzlich in lokal begrenzt, lokal fortgeschritten oder metastasiert. Verschiedene Therapien sind möglich, die abhängig vom Krebsstadium eingesetzt werden.

Unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten

Ist das Karzinom bisher nur in der Prostata vorzufinden, spricht man von einem lokal begrenzten Prostatakarzinom. Hat sich das Karzinom bereits über das Organ hinaus ausgebreitet, bezeichnet man den Tumor als lokal fortgeschritten. Das bedeutet, dass der Krebs bereits in Lymphknoten, den Enddarm oder in die Samenbläschen gestreut hat. Wenn sich die Krebszellen vom Tumor in der Prostata lösen, können sie durch das Lymphsystem oder den Blutkreislauf in andere Bereiche des Körpers gelangen. Sollte das der Fall sein, spricht man von einem metastasierten Prostatakarzinom. Bei weit fortgeschrittenen Krebserkrankungen wird die palliative Behandlung eingesetzt, um den Patienten von Schmerzen zu befreien und die Lebensqualität der Person zu erhalten. Um Ihren körperlichen und seelischen Zustand bestmöglich zu behandeln und zu unterstützen, können je nach Stadium des Karzinoms unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten genutzt werden. Hier stellen wir Ihnen einige vor:

  • Aktive Überwachung: Sollte Ihr Prostatakarzinom noch klein, lokal begrenzt sein oder nur wenig aggressiv wachsen, müssen Sie zunächst nicht behandelt werden und können unter aktiver Überwachung wie gewohnt Ihrem Alltag nachgehen. Regelmäßige Kontrollen beim Arzt sind während der aktiven Überwachung wichtig, um mögliche Veränderungen des Tumors festzustellen. Ebenso von Bedeutung ist, dass Sie auf mögliche Beschwerden hinweisen und Ihre Gesundheit im Allgemeinen beobachten, die auf eine Veränderung der Prostata hinweisen können. Für viele kann die Überwachung eine körperlich schonendere Alternative sein, da kein Eingriff stattfindet und keine Nebenwirkungen auftreten. Jedoch kann diese Behandlungsform auch eine psychische Belastung darstellen. Stets an die Erkrankung zu denken und diese zu kontrollieren kann für viele eine größere Belastung sein, als ein operativer Eingriff.

  • Operation: Im Falle eines lokal begrenzten Tumors ist auch eine Operation möglich. Sobald jedoch die Lymphknoten oder andere Organe befallen sind, reicht eine Operation oftmals nicht aus. Bei einem lokal begrenzenten Prostatakrebs kann eine radikale Prostatektomie, also die gesamtheitliche Entfernung der Prostata, dazu führen, dass der Krebs im Ganzen entfernt werden kann. Risiken, die dabei auftreten können, sind ein Verlust der Fruchtbarkeit oder Potenz und Inkontinenz.

  • Strahlentherapie: Bei Patienten, deren Tumor lokal begrenzt oder lokal fortgeschrittene ist, können mit einer Strahlentherapie behandelt werden. Die Behandlung schränkt Ihren Alltag nicht zu sehr ein, da Sie während der Behandlung nicht im Krankenhaus bleiben müssen. Sie sind nur für Ihre Sitzungen vor Ort, die jeweils ein paar Minuten dauern. Sollte sich die Krankheit ausbreiten, sollten andere Therapien in Betracht gezogen werden.

    Es gibt verschiedene Arten der Strahlentherapie. Welche Methode für Sie geeignet ist, hängt vom jeweiligen Tumorstadium ab. Aber auch andere Faktoren wie das Alter oder bestehende Krankheiten sollten berücksichtigt werden. Bei den verschiedenen Strahlentherapien unterscheidet man zwischen der kurativen und der palliativen Therapie, sprich heilend oder schmerzlindernd. Palliativ eingesetzt wird die Bestrahlung beispielsweise in fortgeschrittenen Stadien, um Beschwerden zu lindern. Durch eine kurative Strahlentherapie können Tumorzellen eliminiert werden. Heutzutage gibt es verschiedene Methoden der Strahlentherapie, die sich in interne und externe Bestrahlung unterteilen lassen. Bei der externen Bestrahlung werden, ähnlich wie beim Röntgen, Strahlen von außen durch die Haut gestrahlt, während bei der inneren Bestrahlung eine Strahlungsquelle im Körper verwendet wird.

    Während der Behandlung wird der Tumor bestrahlt, wodurch seine DNA-Struktur verändert wird, um die Zellteilung zu vermeiden. Dadurch wird das Tumorwachstum gestoppt oder er kann komplett zerstört werden. Durch ihre rege Durchblutung und ihr schnelles Wachstum sind Tumorzellen strahlensensibler als gesunde Zellen. Um diese wiederum zu schützen, werden moderne und technisch präzise Strahlengeräte wie das CyberKnife eingesetzt. Dieses System passt sich dem Behandlungsfortschritt an und bestrahlt über mehrere Sitzungen hinweg zielgenau den Tumor. Ist das Karzinom noch lokalisiert oder lokal fortgeschritten, ist das TomoTherapy® System eine mögliche Wahl.

    Die häufigste Verwendung findet die perkutane Bestrahlung, bei der ähnlich wie beim Röntgen von außen auf das Zielgebiet gestrahlt wird. In wenigen Fällen kann es bei dieser Therapieform zu Hautreaktionen, die einem Sonnenbrand ähneln, führen. Bei der Bestrahlung von innen werden sogenannte „Seeds“ als Strahlungsquellen genutzt. Bei der sogenannten Brachytherapie werden diese mithilfe von feinen Nadeln in die Prostata eingesetzt, sodass das Karzinom bestrahlt wird. Wie bei der externen Bestrahlung kann dies ambulant erfolgen und Sie können das Krankenhaus nach Abschluss der Behandlung verlassen.
Weizen im Sonnenuntergang
  • Hormontherapie: Ziel der Hormontherapie ist es, die Produktion von Testosteron zu stoppen, wodurch das Wachstum des Karzinoms möglicherweise gestoppt werden kann. Ein vollständiger Stopp des Wachstums ist jedoch nur bei wenigen Patienten der Fall. Häufiger verlangsamt der Hormonmangel das Wachstum des Karzinoms. Eine Hormontherapie kann vor der Bestrahlung verwendet werden, um den Tumor zu verkleinern, was zu einem effektiveren Ergebnis führen kann. Die Hormontherapie kommt jedoch auch in Frage, wenn andere Behandlungen nicht möglich sind, sich die Krankheit bereits zu weit ausgebreitet hat oder Sie als Patient ein erhöhtes Risiko aufweisen, dass der Krebs nach der Behandlung zurückkehrt.

  • Chemotherapie: Chemotherapie umfasst Medikamente, die Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakrebs entweder oral oder intravenös verabreicht werden, um die Krebszellen zu töten oder deren Vermehrung zu verhindern. Diese Therapie alleine kann den Krebs nicht heilen, aber Männern dabei helfen, länger zu leben, ihre Lebensqualität zu verbessern und Symptome, wie Schmerzen, zu unterdrücken oder zu verzögern. Chemotherapie wird manchmal mit Hormontherapie, nach einer anfänglichen Diagnose einer fortgeschrittenen Erkrankung oder als zusätzliche Behandlung verwendet, wenn die Hormontherapie alleine das Tumorwachstum nicht mehr kontrollieren kann. Die mit einer Chemotherapie verbundenen Nebenwirkungen variieren je nach Art des Arzneimittels, der verabreichten Dosis und der Dauer der Einnahme. Einige häufige Nebenwirkungen können Übelkeit und Erbrechen, Müdigkeit und Haarausfall sein.
Mann bei Spaziergang im Wald

So hilfreich die Therapien für Ihre Lage sein können, ziehen diese dennoch gewisse Nebenwirkungen mit sich. Um sich auf die Therapie vorbereiten, als auch Sorgen und Bedenken im Vorhinein beseitigen zu können, ist ein Gespräch mit Ihrem Arzt oder Urologen unersetzlich. Sollten Sie oder jemand aus Ihrem Bekanntenkreis gewisse Symptome aufweisen, ist es nur förderlich, einen Arzt aufzusuchen. Denn je früher körperliche Probleme entdeckt werden können, umso länger können Sie Ihre wertvolle Lebenszeit genießen.