Tropf Katheter

Chemotherapie

Krebszellen bekämpfen mit Zytostatika

Wenn nach der bekanntesten Krebstherapie gefragt wird, antworten die meisten Menschen: „Chemotherapie”.1 Die Chemotherapie ist tatsächlich eine der drei etablierten Säulen der Krebstherapie. Gleichzeitig haben viele Patienten Ängste, wenn es um Chemotherapie geht: „Werden meine Haare ausfallen?“ „Werde ich mich während der Therapie schwach und krank fühlen?“

Auf dieser Seite möchten wir Ihnen helfen zu verstehen, wie Chemotherapie wirkt, welche Typen es gibt und wie sie verabreicht wird.

Wie Chemotherapie wirkt

Die Chemotherapie ist eine Krebsbehandlung, bei der spezielle Medikamente eingesetzt werden. Diese Medikamente zirkulieren im Blutkreislauf durch den Körper und können so Krebszellen fast überall erreichen.

Heute gibt es über 100 Medikamente für die Chemotherapie.2 Sie werden „Zytostatika“ genannt. Manchmal ist eine Chemotherapie die einzige notwendige Krebsbehandlung. Häufiger ist sie jedoch Teil eines Behandlungsplans, der Chirurgie und/oder Strahlentherapie einschließt. Eine Chemotherapie kann zum Beispiel eingesetzt werden, um Tumore vor einer Operation oder Bestrahlung zu schrumpfen.

Was genau bewirkt eine Chemotherapie gegen den Krebs?

Wie funktioniert das ganze? Der Körper besteht aus Trillionen gesunder Zellen. Krebs entsteht durch die Veränderung einer normalen Zelle. Diese Krebszelle wächst dann unkontrolliert weiter und produziert zusätzliche Krebszellen. Jede Art von Krebs hat andere Auswirkungen auf den Körper. Wenn Krebs nicht behandelt wird, teilen sich die Krebszellen immer weiter, streuen und befallen den Rest des Körpers. Deshalb müssen diese Zellen bekämpft werden: Zytostatika schädigen die Krebszellen, sodass diese sich nicht mehr teilen können. Die beschädigten Zellen werden vom Körper abgebaut.2

Wirkung auf gesunde Zellen

Leider können Zytostatika nicht unterscheiden, ob sie gesunde Zellen oder Krebszellen angreifen. Daher kann die Chemotherapie auch Auswirkungen auf jene gesunden Zellen haben, die sich schnell teilen. Dazu gehören zum Beispiel Zellen der Haarfollikel oder der Mundschleimhaut. Daher geht eine Chemotherapie manchmal mit Nebenwirkungen wie Haarverlust und Mundtrockenheit einher.

Verschiedene Typen der Chemotherapie

Die Chemotherapie kann zu verschiedenen Zwecken eingesetzt werden – je nach Art und Stadium der Krebserkrankung. Manchmal ist es sogar sinnvoll, verschiedene Zytostatika zu kombinieren, um auf diese Weise ihre Wirkung auf die Zellen zu verstärken. Man spricht dann von einer Kombinations-Chemotherapie.3

Kurative Chemotherapie

Eine kurative Chemotherapie soll alle Krebszellen des Patienten zerstören. Im besten Fall kann der Patient so geheilt werden.

Adjuvante Chemotherapie

Das Ziel der adjuvanten Chemotherapie ist es, Krebszellen zu bekämpfen, die mit einer Operation nicht vollständig entfernt werden konnten. Sie unterstützt also eine andere Therapieform, um Rückfälle zu verhindern.

Neo-adjuvante Chemotherapie

Die neo-adjuvante Chemotherapie soll die Größe des Tumors vor einer Operation verringern. So macht sie eine Operation einfacher oder sogar erst möglich.

Palliative Chemotherapie

Manchmal ist es nicht mehr möglich, alle Krebszellen zu besiegen. Wenn das bei Ihnen der Fall ist, können Sie mit einer sogenannten „palliativen“ Chemotherapie behandelt werden. Sie kann helfen, Schmerzen zu verringern, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen oder Komplikationen zu vermeiden.

Wie wird eine Chemotherapie verabreicht?

Intravenöse Chemotherapie

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, eine Chemotherapie zu verabreichen - je nachdem, welche Art von Krebs Sie haben.2 Meistens bekommen Patienten die Medikamente intravenös. Das heißt, sie werden über einen Katheter, der mit einer Vene verbunden ist, direkt ins Blut verabreicht.

Ports

Wenn Sie über einen längeren Zeitraum hinweg behandelt werden müssen, bekommen Sie wahrscheinlich einen sogenannten „Port“, um die Verabreichung der Medikamente zu erleichtern: Ein Port ist eine kleine Kammer aus Plastik oder Metall, die permanent einen Zugang für Infusionen bietet. Er wird unter der Haut in die Nähe des Herzens eingesetzt und mit Hilfe eines Schlauchs mit einer großen Vene verbunden. So kann die Chemotherapie-Infusion direkt durch den Port in die Vene gelangen – ohne, dass jedes Mal ein neuer Katheter nötig ist. Dies kann Ihnen den Behandlungsprozess sehr erleichtern.

Flüssigkeiten, Tabletten und andere Formen der Therapieverabreichung

Die Medikation der Chemotherapie kann auch in Form einer Trinkflüssigkeit, einer Tablette oder einer Spritze verabreicht werden. In seltenen Fällen kann die Chemotherapie auch direkt in Wirbelsäule, Brust, oder Bauch gespritzt sowie auf die Haut aufgetragen werden.

Behandlungsschema

Bei einer Chemotherapie ist das richtige Timing sehr wichtig. Die Behandlung folgt einem definierten Schema. Das heißt, dass Patienten mehr oder weniger regelmäßig eine bestimmte Dosis bekommen und zwischen Phasen der Verabreichung und Pausen wechseln. Solange die Krebstherapie nicht außerordentlich intensiv ist, kann sie ambulant verlaufen.3

Mögliche Nebenwirkungen der Chemotherapie

Ärztin mit Pipette

Art und Stärke der Nebenwirkungen, die bei einer Chemotherapie auftreten können, sind von Fall zu Fall verschieden. Während manche Menschen starke Nebenwirkungen haben, trifft das auf andere nicht zu.4 Die Chemotherapie ist so gestaltet, dass sie den stärksten Effekt auf Zellen ausübt, die sich häufig teilen. Daher kann sie, außer Krebszellen, vor allem Haarfollikel und die Zellen in Mund und Bauch schädigen.

Haarverlust

Die Schädigung von Haarfollikeln führt zu einer Nebenwirkung von Chemotherapien, die viele Menschen kennen und viele Patienten fürchten – Haarverlust.

  • Bestimmte Typen der Chemotherapie bewirken zuerst ein Ausdünnen und später ein Ausfallen der Haare.4 Dabei fallen nicht nur auf dem Kopf, sondern am ganzen Körper Haare aus.
  • Machen Sie sich keine Sorgen: Der Haarverlust ist nicht permanent und Ihre Haare werden wieder wachsen, wenn Sie die Behandlung beendet haben.4
  • Viele Patienten, besonders Frauen, tragen während der Therapie eine Perücke oder ein Tuch, um sich weniger unwohl zu fühlen und ihre Erkrankung nicht für jeden sichtbar zu machen.

Verdauungsbeschwerden

Viele Patienten berichten außerdem von Übelkeit und Erbrechen während einer Chemotherapie. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, wenn es Ihnen auch so geht. Er kann Ihnen Medikamente verschreiben, die die Beschwerden lindern.4

Mundtrockenheit und Entzündungen

Ein weiterer Problembereich für viele Patienten ist der Mund. Es können Trockenheit oder Entzündungen an der Mundinnenseite auftreten.4 Daher ist es wichtig, eine gute Mundhygiene aufrechtzuerhalten und eine sanfte Zahnpasta zu verwenden.4

  • Es gibt spezielle Produkte, beispielsweise Mundspülungen, die Sie während einer Chemotherapie benutzen können.4
  • Ihr Zahnarzt kann Ihnen helfen, die richtige Vorgehensweise und die richtigen Produkte zu wählen.
  • Es ist außerdem ratsam, scharfe und zu heiße Speisen zu meiden.4

Infektionen

Als ernstere Nebenwirkung einer Chemotherapie können Infektionen auftreten. Während der Therapie sind Sie empfänglicher für Infektionen, da die Produktion weißer Blutkörperchen behindert wird. Diese spielen eine wichtige Rolle für ein gesundes Immunsystem.4 Daher ist es wichtig, aufmerksam zu sein und Ihren Arzt unverzüglich über Fieber, Blutungen oder Durchfall zu informieren.4

Wenn Sie mehr über die Nebenwirkungen einer Chemotherapie wissen möchten, besuchen Sie die Seite des Krebsinformationsdienstes.

Leben mit Chemotherapie

Ihr persönliches Befinden während einer Chemotherapie kann oft variieren – jeder Patient kann verschiedene Höhen und Tiefen durchleben. Sie können während der Behandlung ein fast normales Leben führen. Oder das tägliche Leben kann im Gegenteil eine große Herausforderung sein. Je nachdem, wie Sie sich fühlen, sollten Sie versuchen, Ihren individuellen Weg zu finden.

Strategien gegen Erschöpfung und Müdigkeit

Während einer Chemotherapie können Sie sich oft müde fühlen. Das ist ganz normal und kann von vielen Faktoren ausgelöst werden, zum Beispiel von den Medikamenten, einem Mangel an Schlaf oder davon, nicht wie gewöhnlich essen zu können. Diese Situation kann sehr belastend sein, vor allem wenn Sie es gewohnt sind, voller Energie zu stecken. Hören Sie jedoch auf Ihren Körper! Ändern Sie kleine Dinge in Ihrem täglichen Leben, sodass Sie nicht allzu schnell erschöpft sind: Ruhen Sie sich aus, wenn Sie es brauchen und schränken Sie Ihre Aktivitäten ein, wenn Sie das Gefühl haben, dass das das Beste für Sie ist.

Falls das Erschöpfungsgefühl nicht nachlässt, sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber. Es gibt individuelle Therapien, die Ihnen helfen können, zum Beispiel körperliche Aktivität3: Studien zeigen, dass regelmäßige körperliche Aktivität Ihnen helfen kann, sich weniger erschöpft zu fühlen. Entscheiden Sie mit Ihrem Arzt, welche Art von Bewegung für Sie die richtige ist.

Das Sozialleben intakt halten

Drei Freunde beim Kochen

Eine Chemotherapie muss nicht bedeuten, dass Ihr soziales Leben zum Stillstand kommt. Sie müssen wahrscheinlich nur ein wenig mehr planen als bisher: Wenn Sie abends ausgehen wollen, sollten Sie versuchen, sich tagsüber auszuruhen. Fragen Sie Ihren Arzt, ob Sie Alkohol trinken können und informieren Sie ihn, wenn zum Beispiel eine Geburtstagsfeier ansteht. Möglicherweise kann Ihre Behandlung dann ein wenig arrangiert werden.

Wo Sie Unterstützung finden

Falls Sie unter emotionalem Stress leiden, ist es völlig in Ordnung, sich professionelle Hilfe zu suchen. Ungefähr ein Drittel bis die Hälfte der Patienten wünschen sich psychosoziale Unterstützung.3 Detaillierte Informationen finden Sie auf der Seite des Krebsinformationsdienst. Laden Sie außerdem unsere Broschüre herunter, die viele Tipps für die Erhaltung einer hohen Lebensqualität bereithält.

  1. Omnibus Survey 2015. Die Omnibus-Umfrage wurde im Januar 2015 von TNS EMNID für Accuray International durchgeführt. Die Stichprobe bestand aus 1021 Teilnehmern und war für die deutsche Bevölkerung repräsentativ. Die Repräsentativität wurde durch eine Quotenstichprobe (Geschlecht, Alter und früherer Beruf bei Pensionären und Rentnern) mit einer Schichtung nach Regionen und nach der Größe des Stadtgebiets sichergestellt. Die Interviews wurden am Telefon geführt.
  2. American Cancer Society (2013) Chemotherapy: What it is, How it helps. URL: http://www.cancer.org/acs/groups/cid/documents/webcontent/003321-pdf.pdf (Stand: 19.11.2015).
  3. Krebsinformationsdienst: Chemotherapie. URL: https://www.krebsinformationsdienst.de/behandlung/chemotherapie.php (Stand: 19.11.2015).Deutsche Krebshilfe (2014) Brustkrebs. Antworten, Hilfen, Perspektiven.