Selbstliebe und Selbstakzeptanz trotz Brustkrebs — Vertrauen in den eigenen Körper gewinnen

So individuell Patientinnen sind, so verschieden sind auch die Umstände, die sie in ihrem alltäglichen Leben bewältigen müssen — seien es körperliche Einschränkungen, ein verändertes Aussehen, familiäre und freundschaftliche Bindungen oder emotionale Aspekte. All diese Einflüsse prägen Brustkrebspatientinnen, jedoch nicht immer positiv: Diese Veränderungen können dazu führen, dass sie sich nicht mehr wohlfühlen oder sich sogar fremd in ihrem Körper vorkommen. Dass es viele Gründe gibt, sich selbst und den eigenen Körper zu lieben, möchten wir Ihnen hier zeigen.

Young, laughing woman

Für Ihre Gesundheit ist es das Wichtigste, den Tumor zu bekämpfen. Allerdings hört die Krankheit damit nicht auf. Durch die Behandlung können Nebenwirkungen wie Haarverlust, die Zu- oder Abnahme des Gewichts oder ein verändertes Hautbild auftreten. Zum eigenen Schutz muss manchen Frauen auch die Brust abgenommen werden. All diese Faktoren können Patientinnen verunsichern oder das Gefühl auslösen, nicht mehr attraktiv zu sein. Viele Patientinnen haben die Sorge, dass sie nach der Erkrankung von Außenstehenden nur auf diese beschränkt werden. In einer solchen Situation hilft es, über die eigenen Gefühle zu sprechen. Hierfür können Sie Krebsberatungsstellen unterstützen. Diese haben zum Ziel, Patientinnen dabei zu helfen, möglichst uneingeschränkt am Alltag teilnehmen zu können und trotz der Erkrankung oder nach der Therapie schöne Momente zu erleben.

Helping hands

Der Körper und seine Grenzen

Die Therapie hinterlässt bei vielen Patientinnen Spuren und kann den Körper verändern. Für viele ein Schock, da sie sich nicht wiedererkennen und das Vertrauen in den eigenen Körper zunächst verlieren. Wichtig ist in solchen Situationen, nicht zu viel von sich abzuverlangen. Es ist völlig normal, dass Sie sich wieder in ihrem Körper wohlfühlen möchten, jedoch braucht die Regeneration ihre Zeit.

Das gilt auch im Umgang mit Mitmenschen: Wenn Sie früher vieles geleistet haben, ist dies für Ihren Körper im Moment vielleicht nicht möglich. Es ist leichter gesagt als getan, aber versuchen Sie, die Situation zu akzeptieren und bestmöglich damit umzugehen. Klären Sie Ihre Mitmenschen über Ihre Lage und Ihre Möglichkeiten im alltäglichen Leben auf, wenn Sie dies möchten. Insbesondere innerhalb der Familie oder Partnerschaft sollten Sie offen darüber sprechen, um sich schnell an die neue Situation zu gewöhnen. Zwingen Sie sich keinesfalls Aufgaben auf und machen Sie nur das, was Ihnen möglich ist.

Veränderte Rollenbilder

Nicht nur in der Arbeitswelt, sondern auch in der Familie und in einer Beziehung stecken Sie stets in einer Rolle: Als Frau, als Mutter oder als Arbeitnehmerin erfüllen Sie nicht nur die Erwartungen anderer, sondern vor allem die eigenen. In Ihrer Situation kann es hilfreich sein, sich von starren Rollenbildern zu lösen und Hilfe zu akzeptieren. So waren Sie vor der Erkrankung in vielen Situationen ein Fels in der Brandung, doch nun brauchen Sie selbst etwas mehr Unterstützung.

Viele Frauen assoziieren damit fälschlicherweise, dass sie nicht mehr gebraucht werden oder eine Last sind, weshalb es ihnen schwerfällt, die neue Situation zu akzeptieren. Doch verwerfen Sie diesen Gedanken und lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit auf die Dinge, die Sie stolz im Leben machen oder mit Freude erfüllen. Führen Sie sich vor Augen, welche Entscheidungen Sie noch selbst treffen können und gestalten Sie Ihren Alltag möglichst so, um zu erkennen, dass die Erkrankung Sie nicht ausmacht und Sie selbst ihr Leben bestimmen können.

Zudem fasst der Spruch, der leider zuhauf benutzt, dass nur die inneren Werte zählen, alles Essenzielle zusammen. Halten Sie nicht an äußerlichen Rollenbildern fest, die vorschreiben, wie eine Frau auszusehen hat oder was Sie leisten muss. Für unsere Gesellschaft spricht die Diversität verschiedenster Frauen, die keineswegs alle gleich aussehen und handeln, sondern sich durch verschiedene äußerliche, wie innerliche Merkmale auszeichnen.

„Denken wir daran, dass die vielleicht größte Kraft der Menschen in ihrer Vielfalt liegt.“

Unbekannt

Sich selbst lieben – auch in schwierigen Zeiten

Der erste Schritt, um sich selbst zu lieben, ist, die innere Haltung zu überprüfen. Stärken Sie sich selbst, indem Sie Ihre geistige Haltung beeinflussen. Denn es gibt eine Vielzahl an Dingen, auf die Sie selbst stolz sein können: Allein, dass Sie der Krankheit entgegentreten, beweist sowohl Ihre innere, als auch körperliche Stärke. Indem Sie sich selbst lieben, sich somit mit allen Ecken und Kanten akzeptieren und selbst zu schätzen wissen, fallen Ihnen vielleicht verstärkt die positiven Aspekte in Ihrem Leben auf. Auch wenn die Krebserkrankung Ihren Alltag erschweren kann, sollten Sie versuchen, nicht selbst Ihr größter Kritiker zu sein. Dies können Sie tun, indem Sie sich Komplimente machen oder sich täglich bewusst Zeit für sich nehmen und Ihre eigenen Gedanken reflektieren. Versuchen Sie, abwertende Gedanken zu stoppen. Denn nur, weil Sie diese Vorstellung haben, entsprechen diese nicht zwangsläufig der Wahrheit.

Manchen Patientinnen kann es schwerer fallen als anderen, sich zu akzeptieren. Jedoch sollten Sie das stets als Prozess sehen, bei dem Sie immer wieder die Chance haben, sich etwas Gutes zu tun. Einige Kleinigkeiten, die Ihnen in Ihrem Alltag helfen können, sind:

  • Sorgen Sie sich um sich selbst: Damit ist keineswegs gemeint, dass Sie irgendwelche Bedenken haben sollten, sondern dass Sie darauf achten, was Sie essen oder welchen Sport Sie in welchem Maß treiben. Bewegen Sie sich beispielsweise ausreichend an der frischen Luft und essen Sie abwechslungs- und vitaminreich.
  • Sie bestimmen Ihren Selbstwert: Sie selbst kennen sich am besten, egal in welchen Lebenslagen. Machen Sie Ihren Selbstwert also nicht abhängig von den Urteilen anderer.
  • Das Negative bleibt im Kopf: Negative Ereignisse, so unbedeutend oder gering sie auch sind, bleiben oftmals länger im Kopf als positive. Machen Sie sich also verstärkt die positiven Aspekte im Alltag bewusst, indem Sie sich beispielsweise bereits über kleine Geschehnisse freuen.
  • Nette Wort finden: So ungewohnt es sich zunächst für Sie anfühlen mag — stellen Sie sich vor einen Spiegel und loben Sie sich für das, was Sie am heutigen Tag erreicht haben. Egal, welchen Lebensaspekt das Lob betrifft, ist es förderlich, regelmäßig nette Worte für sich selbst zu finden.

„Die Sprache ist der Spiegel der Gedanken“

Unbekannt

Erfahrungen austauschen

Selbstliebe kann Ihnen helfen, sich besser zu fühlen und sich weniger vom Urteil Außenstehenden oder anderen Betroffenen abhängig zu machen. Allerdings können letztere Ihnen auch dabei helfen, sich über innere Konflikte klarzuwerden und diese zu lösen. Ihre Bedenken können Sie deshalb in Selbsthilfegruppen mit anderen Betroffenen teilen, sollten Sie sich zunächst nicht sicher sein, ob Sie sich ihrer Familie oder Freunden bereits anvertrauen können. Auch wenn Sie zunächst eine gewisse Angst hemmt und Sie sich unwohl fühlen — Sie sind mit diesen Gedanken keineswegs alleine . Mit mehr als 70.000 Neuerkrankungen im Jahr ist Brustkrebs die häufigste Krebsform in Deutschland.1 Bei manchen Frauen ist eine Brustamputation unumgänglich, bei anderen fängt der Haarverlust bereits sehr früh an — für viele bereiten diese Ereignisse das Gefühl, als würde die Welt zusammenbrechen. Wenn auch Sie diese Erfahrungen gemacht haben und sich selbst nicht mehr schön finden oder unwohl fühlen, so gibt es Möglichkeiten, Ihnen zu helfen.

Beispielsweise kann dies in Selbsthilfegruppen in Ihrer Region erfolgen oder in Online-Foren, in welchen sich Frauen nicht nur über krankheitsrelevante Themen unterhalten, sondern auch darüber, wie sie gelernt haben, sich selbst zu akzeptieren und sich mit allen Eigenschaften zu lieben. Für Sie kann es beispielsweise bereits hilfreich sein, über das eigene Selbstwertgefühl zu reden, was Sie innerlich sowie körperlich fühlen. Aber auch Ängste und Sorgen können im Internet anonym oder in Selbsthilfegruppen in einem geschützten Kreis geäußert werden.

Woman with flower basket

Psychoonkologische Unterstützung

Je nach Tumorart oder Krankheitsstadium kann die Therapie bei Krebspatientinnen ganz unterschiedlich verlaufen. Dabei geht es vor allem um ihre körperliche Gesundheit. Doch kann es nach der Diagnose auch wichtig sein, neben Ihrem physischen Zustand auch Ihren geistigen Zustand zu beobachten. Die Psychoonkologie beschäftigt sich mit den seelischen und psychischen Folgen der Krebserkrankung. Psychoonkologische Dienste können Ihnen dabei helfen, die Erfahrungen mit der Erkrankung zu verarbeiten und herauszufinden, was Sie belastet und Ihr Selbstwertgefühl aufbauen.

Gerade dieses leidet bei vielen Patientinnen sehr, da sie im Alltag unangenehm auf körperliche Veränderungen, wie den Haarverlust oder eine fehlende Brust, angesprochen werden. Geht es Ihnen auch so und Sie fühlen sich sicherer, wenn Sie Ihre körperlichen Veränderungen kaschieren, ist das vollkommen in Ordnung. Sollten Sie sich jedoch für Ihren Körper schämen, sich nicht mehr wohlfühlen oder sogar Angst haben, von anderen aufgrund der Krankheit stigmatisiert zu werden, kann es guttun, sich professionelle Hilfe zu suchen. Dabei kann Ihnen die beratende Person helfen, unvoreingenommen und sachlich mit Ihnen über Schwierigkeiten im Alltag zu reden und Sie natürlich zu unterstützen. Eine Hilfe wie diese anzunehmen heißt keineswegs, dass Sie den Weg der Besserung nicht schaffen, sondern dass Sie jemand dahingehend unterstützt und dort hilft, wo Sie selbst nicht mehr weiterwissen.

Junge Frau mit Parka

Jede Patientin bewältigt ihre Erkrankung mit einer anderen Strategie. Wichtig ist dennoch bei allen, sich selbst nicht zu vernachlässigen, auch an die eigenen Stärken zu glauben und sich selbst mit allen Eigenschaften zu lieben. Denn auch, wenn es nicht immer nur aufwärtsgehen kann, hoffen wir, dass Sie sich viele Glücksmomente schaffen können und in sich vertrauen.