Lesen für die Gesundheit – die positive Wirkung von Büchern

Vielen Krebspatienten schwirren nach der Diagnose und während der Behandlung unzählige Gedanken im Kopf umher. Und auch der Alltag ist in den meisten Fällen nicht mehr der Gleiche. Um sich abzulenken, kann es helfen, sich in ein Buch zu vertiefen. Wer kennt es nicht? Man möchte nur ein paar Zeilen lesen und plötzlich sind mehrere Stunden vergangen. Darüber hinaus kann Lesen Sie aber auch in anderen Lebensbereichen unterstützen und fördern. In diesem Blogpost möchten wir Ihnen die Vorteile des Lesens näherbringen und stellen Ihnen einige Bücher vor, die Ihnen während Ihrer Behandlung helfen können.

Frau liest ein rotes Buch

Wenn auch Ihnen der Stress Ihrer Behandlung über den Kopf wächst oder Sie einfach alles um sich herum vergessen möchten, kann ein Buch helfen, belastende Gedanken auszublenden und Sie in eine andere Welt zu entführen. Jedoch ersetzen Bücher auf keinen Fall eine professionelle Hilfe bei einer Krebserkrankung. In schwierigen Momenten können sie jedoch Trost spenden und dazu motivieren neuen Mut zu schöpfen.

Unterstützung für die Seele

Während der Krebsbehandlung sorgen Sie sich verstärkt um Ihren Körper, da dieser durch die Erkrankung und die Therapie stark beansprucht werden kann. Neben der körperlichen Gesundheit ist auch ihre geistige Gesundheit wichtig, da sich Ihre positive Haltung auch auf Ihre körperliche Verfassung auswirkt. Beispielsweise können Sie durch mentale Techniken Ihre Anspannung und auch Verkrampfungen lösen.1  Das allgemeine Wohlbefinden zu stärken und Stressfaktoren zu reduzieren, kann Sie somit während der Therapie positiv bestärken. Und genau dabei kann Ihnen das Lesen helfen –Lesen kann helfen ihr Wohlergehen zu steigern, ihren Alltag zu vergessen und zu entspannen.2

Sich mit einem Charakter identifizieren

Auch die Identifikation mit einer Romanfigur oder ihrer Situation kann zusätzlich Kraft spenden, da Sie sich vielleicht in einer ähnlichen Lage befinden oder denselben Problemen begegnen. Dieser Solidaritätseffekt mit Buchcharakteren gibt ihnen das Gefühl, dass Sie in einer schwierigen Phase nicht alleine sind und es andere gibt, die eine ähnliche Situation durchlebt haben und Sie mit ihren Erfahrungen unterstützen können. Vielleicht fühlen Sie sich hierdurch sicherer und es eröffnen sich neue Denkweisen, um mit Ihrer Situation umzugehen. Vor allem aber kann ein Buch auch einfach ablenken, beispielsweise, wenn Sie sich in einer unangenehmen Situation die Zeit vertreiben oder einfach dem Alltag entfliehen möchten: Kreisen Ihnen noch belastende Gedanken zu Ihrer Therapie oder Erkrankung im Kopf, hilft eine beruhigende Geschichte häufig müder zu werden und in den Schlaf zu fallen.

Der Roman von Noa C. Walker „Du, ich und die Farben des Lebens“ ist ein gutes Beispiel. Die Geschichte erzählt von der jungen Frau Janica, die als Kind an Krebs erkrankte und sich wieder ins Leben zurückkämpfte. Das Buch kann Betroffenen und Angehörigen helfen, die Krankheit zu verstehen und trotz dieser schöne Momente zu genießen. Die einfühlsame Schreibweise der Autorin zeigt allem Kummer zum Trotz die kleinen Freuden des Alltags auf und gibt Hoffnung.

Bestärken kann Sie aber auch das Buch „Morgen kommt ein neuer Himmel“ von Lori Nelson Spielman. Im Mittelpunkt steht die 34-jährige Brett, deren Mutter Elizabeth stirbt. Damit Brett ihr Erbe erhält, setzt ihre Mutter eine Bedingung auf: Sie muss ihre Liste mit all den Plänen, die sie als 14-jährige hatte, zur Erfüllung bringen. Brett stellt sich schließlich den Herausforderungen ihrer Liste. Die Geschichte erzählt vom Schicksal des Lebens und zeigt Ihnen, dass Träume und Wünsche keine bleiben müssen, sondern dass Sie auch während Ihrer Therapie einige verwirklichen können.

 

 

Person liest ein Buch

Lesen als Therapie

Das Lesen kann nicht nur als Therapieergänzung genutzt werden, sondern auch als Therapieform selbst: Das (Vor)Lesen, Sprechen und Schreiben über Bücher kann auf Sie eine therapeutische Wirkung haben, die unter dem Fachbegriff Bibliotherapie zusammengefasst wird. Diese Form der Therapie lindert Ihre Erkrankung zwar nicht physisch, kann Ihnen jedoch helfen, mit der Erkrankung umzugehen.

In der Therapie werden auf Ihre Situation angepasste Bücher ausgewählt, die Sie dazu anregen können, Ihre Erkrankung zu reflektieren oder einfach Unterstützung aus den Büchern zu erfahren. Ein Therapeut begleitet Sie dabei, gibt Ihnen Anregungen und unterstützt Sie bei der Auseinandersetzung mit den inhaltlichen Themen. Mit dieser Therapieform können Emotionen verstanden oder gelöst und Erlebtes verarbeitet werden.

Falls Sie bereits die Erfahrung gemacht haben, dass Ihnen Worte fehlen, um Ihrem Umfeld Gedanken und Gefühle zu Ihrer Erkrankung nachvollziehbar zu vermitteln, so kann die Bibliotherapie helfen, Ihre Kommunikationsfähigkeit zu stärken. Indem Sie regelmäßig lesen und Gedanken verschriftlichen, könnte es Ihnen mit der Zeit leichter fallen, nach außen zu transportieren, was Sie innerlich empfinden.

Einige Patienten konnten ihre Krebserkrankung verarbeiten, indem sie Ihre Geschichte in Form eines Buchs verschriftlicht haben. So auch die Moderatorin Miriam Pielhau, die mit ihrem Buch „Fremdkörper“ über Ihre Brustkrebserkrankung spricht und somit viele Betroffene mit ihrem Buch bewegte.

Nicht nur Personen der Öffentlichkeit fassen ihre Erfahrungen und Gefühle in Worte. Auch Karl-Heinz Esser, der sich sonst als Künstler in seinen Farben und Ideen ausdrückt, setzte sich in seinem Buch „Cyberknife-Zentrum – Mein geschenktes Leben nach dem Krebs“ mit seinem Augentumor auseinander und schrieb seine Geschichte nieder. In seinem Buch nimmt Karl-Heinz Esser Sie mit auf seine erste Begegnung mit dem Krebs und wie ihn eine neuartige Behandlungsmethode unterstützen konnte. Durch das Lesen anderer Patientengeschichten fällt es Ihnen vielleicht leichter, Ihre Emotionen zu verarbeiten und eine neue Denkweise zu gewinnen.

„Manchmal sollte man ins Land der Fantasie eintauchen, um einen klaren Kopf für die Realität zu bekommen.“

Marliese Zeidler

Mehr Wissen durch Bücher

Solche persönlichen Geschichten lassen Sie nicht nur Ihre eigene Lage reflektieren, sondern geben Ihnen gleichzeitig mehr Informationen zu Ihrer Krebserkrankung. Gewisse Ängste können aus Unwissenheit heraus entstehen. Indem Sie Ihren Horizont erweitern, können Sie diesen entgegenwirken. Ergänzend zum regelmäßigen Austausch mit Ihrem Arzt können Sie in Sachbüchern in Ruhe mehr zu den Themen lesen, die für Sie vielleicht noch nicht ganz verständlich waren.

Im Gegensatz zu Brustkrebs wird vor allem über eine Krebsform bisher noch wenig offen geschrieben: über Prostatakrebs. Der Autor Tahar Ben Jelloun traute sich aber, offen über seiner Erkrankung zu sprechen und gibt mit seinem Roman „Der Einschnitt“ einen Einblick, wie er seine Prostatakrebsdiagnose verarbeitete und wie es für ihn weiterging. Intim und persönlich erzählt er von seiner „Entmännlichung“ und zeigt anderen Betroffenen unverfälscht, wie er mit Entscheidungen und Sorgen umgegangen ist. Noch detaillierter und medizingeschichtlicher wird der Autor und Arzt Siddhartha Mukherjee und fesselt mit seinem Schreibstil im Buch „Der König aller Krankheiten: Krebs – eine Biografie“ Leser, die sich normalerweise nicht mit medizinischen Themen auseinandersetzen. Dieses faktenreiche Buch könnte Ihnen helfen, sich mit dem Krebs thematisch zu befassen und somit die Krankheit besser zu verstehen.

Buch und Tasse

In die eigene Welt

Manchmal gibt es schlechte Tage, an denen man sich am liebsten einfach nur die Decke über den Kopf ziehen möchte. Sollten Sie einmal so einen Tag haben und sich unwohl fühlen, kann Ihnen ein gutes Buch zeitweise einen persönlichen Rückzugsort verschaffen und Sie von negativen Gedanken ablenken. Dabei können Sie in eine abenteuerliche Welt eintauchen oder mithilfe eines Urlaubsromans an einen feinsandigen Strand an die Adriaküste reisen – Ihrer Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Der als Immersion bezeichnete Zustand, in welchem Sie regelrecht in die Geschichte versinken, kann Ihre Sorgen und Ängste für diese Zeit komplett ausblenden. Zudem bieten Ihnen Bücher wie „Stravaganza – Stadt der Masken“ von Mary Hoffman nicht nur einen persönlichen Rückzugsort in eine völlig neue Welt, sondern können vielleicht doch noch Ihren Tag verschönern. Die Abenteuer- und Zeitreisegeschichte von Mary Hoffman handelt vom schwer an Krebs erkrankten Lucien, der zwischen seiner Heimatstadt London und einer Traumwelt wandert.

Auch auf eine Reise begibt sich die 50-jährige Martha im Buch „Das unendliche Blau“ von Annette Hohberg, kurz nachdem bei ihr die Krebserkrankung diagnostiziert wurde. Ohne festen Plan und mit unerfüllten Träumen begibt sich die mutige Protagonistin auf eine Reise durch Italien. Martha zeigt, dass das Leben jeden Tag gelebt werden kann und in einer sorgenbringenden Lebenssituation trotzdem ein Funken Glück steckt – wenn auch hunderte Kilometer von zu Hause weg. Solche Bücher können die Sorgen um Sie herum verschwinden lassen, dienen Ihnen aber auch als Inspiration in schwierigen Lebenslagen.

Bücher und Sonnenbrille am Strand

Nehmen Sie sich Ihre Zeit

Egal, ob Sie sich jetzt mit medizinischen Büchern beschäftigen oder einen Abenteuerroman lesen: Hauptsache, Sie nehmen die Zeit für sich und genießen sie. Suchen Sie sich einen Autor, ein Buchgenre oder ein Thema aus, mit dem Sie sich auseinandersetzen wollen. Nicht nur werden Sie herausfinden, welche Geschichten Sie bewegen, sondern Sie festigen durch das regelmäßige Lesen auch ein Ritual. Sollte Stress aufkommen, so nehmen Sie sich ein Buch und lassen sich nicht aus der Ruhe bringen – es ist Ihre Zeit. Wenn Sie üblicherweise lieber nicht zum Buch greifen, empfehlen wir Ihnen „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ von John Green. Der Roman spricht Leser unterschiedlichster Altersgruppen an und begrenzt sich nicht auf ein einzelnes Genre. Mit viel Emotion, aber auch Humor wird die Geschichte von Hazel, die an Krebs erkrankt, erzählt. Sehr realitätsnah wird die Erkrankung der 16-jährigen beschrieben, durch den fesselnden Schreibstil des Autors findet sich jedoch eine Balance aus Lachen, Weinen und Staunen.

„Ich glaube an die Wirkung von Büchern, daran, dass sie Teile des Bewusstseins ausleuchten, die ohne Bücher dunkel bleiben.“

Dave Eggers

Unabhängig davon, in welchem Lebensbereich die Bücher Sie unterstützen können, haben Bücher vor allem zum Ziel, Ihnen angenehme Momente zu bereiten. Das kann ein Liebesroman, ein Sachbuch oder ein Krimi sein – Hauptsache, Sie genießen die Lesezeit.

 

 

 

Quellen:

1. https://www.krebsinformationsdienst.de/aktuelles/2013/news60.php 

2. https://readingagency.org.uk/news/media/reading-for-pleasure-builds-empathy-and-improves-wellbeing-research-from-the-reading-agency-finds.html