Ernährung und Krebs

Was Ihnen guttut - mit Rezept!

Schneidebrett und Gemüse

In Deutschland erkranken nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts Berlin jedes Jahr fast 490.000 Menschen neu an Krebs.[1] Durch die Behandlung ihrer Erkrankung oder wegen bestimmter Beschwerden sind viele von ihnen auf gesunde Ernährung angewiesen. Für manche wirft das Thema Ernährung auch aufgrund der Nebenwirkungen ihrer Therapie Fragen auf.

Auch wenn bisher keine Ernährungsform bekannt ist, die eine Krebserkrankung gezielt bekämpfen kann, ist es wichtig, dass Sie als Patient/in auf eine ausgewogene Ernährung achten. Denn ein guter Ernährungszustand kann eine Krebstherapie positiv beeinflussen: Wer richtig isst, fühlt sich besser und hat mehr Kraft, die Zeit der Therapie zu bewältigen.

Grundsätzliche Tipps

Es ist sinnvoll, einen Ernährungsberater, also einen Ökotrophologen, nach Rat zu fragen. Die Diplom-Ökotrophologin Eva Wisniowski empfiehlt drei Dinge, auf die es bei einer Krebserkrankung ankommt: „Ernährung, Sport und positives Denken.“ Beim Sport kommt es darauf an, wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist – je nachdem kann die sportliche Betätigung sehr unterschiedlich ausfallen. Sie können beispielsweise Yoga oder Entspannungsübungen machen. Tipps rund um das Thema Sport finden Sie hier. Besprechen Sie Ihre Ernährungspläne immer mit Ihrem behandelnden Arzt.

Wenn Sie normal essen können, weil Sie keine großen Beschwerden wie beispielsweise Übelkeit haben, empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) eine abwechslungsreiche, vollwertige Ernährung, wie sie alle gesunden Menschen zu sich nehmen sollten.[2] Dazu zählt die DGE eine angemessene Menge und Kombination nährstoffreicher und energiearmer Lebensmittel.[3] „Erkrankte sollten reichlich Obst und Gemüse, Vollkornprodukte, Eiweiß und „richtige“ Fette essen“, so Eva Wisniowski, „zu richtigen Getränken zählen Wasser, grüner Tee und Fruchtsäfte mit einem Fruchtanteil von 100%. Richtige Fette sind Raps-, Oliven- und Leinöl. Sie können alles essen was scharf ist, alle Sorten an Beeren, frische Gewürze und Kräuter. Bei Gemüse empfehle ich besonders Brokkoli, Sellerie und Petersilie.“

Sie können alles essen was scharf ist, alle Sorten an Beeren, frische Gewürze und Kräuter.

Eva Wisniowski

Eiweißlieferanten und pflanzliche Mineralstoffe

Die Deutsche Krebsgesellschaft empfiehlt überwiegend pflanzliche Lebensmittel.[4] „Nüsse in jeglicher Art sind gut, besonders Paranüsse, denn sie enthalten pflanzliche Mineralstoffe und Selen. Fisch sollte zwei- bis dreimal die Woche auf dem Speiseplan stehen, da er ein guter Jodlieferant ist. Milchprodukte sind wichtige Eiweißlieferanten und enthalten Kalzium. Käse und Milch wirken begünstigend auf die Darmflora, vergorene Milchprodukte wie Naturjoghurt, Quark und Kefir sind noch besser“, erklärt Eva Wisniowski.

Vermeiden Sie industriell verarbeitete Lebensmittel

Krebspatienten sollten darauf achten, dass sie wenig Salz und verarbeitetes Fleisch zu sich nehmen.[5] „Betroffene sollten auf künstliche Aroma- und Süßstoffe und auf alle gepökelten und industriell verarbeiteten Speisen verzichten. Speisen, die mit Nitrit und Pökelsalz behandelt werden, sollten Patienten meiden. Von künstlichen Vitaminen rate ich generell ab“, so Frau Wisniowski. Bei einigen Lebensmitteln gibt es verschiedene Meinungen, beispielsweise bei Sojaprodukten. Frauen mit Brustkrebs sollten mit ihrem Arzt klären, ob sie auf Soja verzichten müssen.

Patienten, die eine Operation an Magen oder Darm hatten, müssen individuell behandelt werden, da es darauf ankommt, wie viel vom Magen entfernt worden ist. „Hier bekommt der Patient zunächst Schonkost, dann Astronautenkost und erst danach geht man zur normalen Mischkost über, allerdings mit bis zu acht Mahlzeiten am Tag“, erklärt Eva Wisniowski, „man muss dazu sagen, dass die Beratung für solche Patienten nicht sehr populär ist, da viele Patienten nicht wissen, welche Beratungen Ihnen zusteht. Bei einer Magenentfernung wird eine Ernährungsberatung dringend empfohlen, das sollten Betroffene mit ihrem Arzt besprechen“, empfiehlt die Ernährungsberaterin.

Verschiedene Gemüsesorten

Bitterstoffe als Appetitanreger

Bei Appetitlosigkeit können verschiedene Empfehlungen helfen, denn jeder Mensch reagiert anders: Was dem einen gut bekommt, hilft dem anderen gar nicht. Probieren Sie deshalb aus und halten Sie sich an die Lebensmittel, die Ihnen helfen. Eva Wisniowski empfiehlt bittere Gewürze und Lebensmittel wie Zucchini, Chicorée und Endivien, „außerdem kann eine Fleischbouillon oder ein Spaziergang an der frischen Luft helfen.“ Die Deutsche Krebsgesellschaft rät grundsätzlich zu wenig bis keinem Alkohol.[6] Da Alkohol allerdings ein Appetitanreger sein kann, kann ein kleiner Aperitif bei Appetitlosigkeit helfen, wenn es ihr Arzt erlaubt.[7]  

Essen, was Ihnen guttut – nach Rücksprache mit Ihrem Arzt

Eine gute Lebensqualität hat für viele Menschen, die mit Krebs leben, eine hohe Priorität. Diese Lebensqualität erreicht ein Patient nicht, indem er ständig auf Dinge verzichten muss, die er gerne hat. Teilweise kann sich allerdings die ein oder andere Vorliebe mit der Krankheit nicht vertragen. Wenn Sie beispielsweise häufig Kaffee oder abends ein Glas Rotwein getrunken haben, besprechen Sie dies am besten mit Ihrem Arzt. Eva Wisniowski gehört zu den Ernährungsberaterinnen, die niemandem etwas verbieten möchte, sie gibt Ihren Patienten allgemeine Empfehlungen ab: „Es ist alles eine Frage des Ausprobierens - erlaubt ist, was vertragen wird. Wenn etwas einem Patienten guttut, ist das – in Maßen – ein tolles Lebensmittel."

Es ist alles eine Frage des Ausprobierens - erlaubt ist, was vertragen wird. Wenn etwas einem Patienten guttut, ist das – in Maßen – ein tolles Lebensmittel.

Eva Wisniowski

Empfehlungen bei Gewichtsverlust

Wenn der Tumor oder die Therapie den Stoffwechsel so sehr beeinträchtigt, dass Sie abnehmen, können Sie mit herkömmlicher Ernährung meist nicht wieder zunehmen. Bestenfalls lässt sich damit verhindern oder verzögern, dass Sie noch weiter abnehmen. Dann sollten Sie lieber zu viel als zu wenig Energie aufnehmen. Der Speiseplan sollte nach Möglichkeit immer mit ausreichend Fett angereichert werden, denn Fett liefert die meiste Energie. Sie können Ihre Nahrung durch Omega-3-Fettsäuren ergänzen.[8] Besprechen Sie eine solche Maßnahme mit Ihrem Arzt. Wichtig ist auch eine hohe Eiweißzufuhr, zusätzliche Energie lässt sich in Form von Kohlenhydraten aufnehmen, zum Beispiel mit geschmacksneutralem Pulver. Als Zwischenmahlzeiten eignen sich Trinknahrungen, auch „Astronautenkost“ genannt.[9] Verteilen Sie Ihre Speisen auf fünf bis sechs kleine Mahlzeiten pro Tag. So haben Sie keinen „Berg“ an Essen vor sich, wenn es an die Mahlzeiten geht. Eva Wisniowski empfiehlt ein Smoothie aus Beeren, Rapsöl und gemahlenen Nüssen. „Beeren haben einen hohen Anteil an Polyphenolen und Flavonoiden, also besonders gesunden Pflanzenstoffen“, rät Eva Wisniowski.

Eva Wisniowski ist seit 13 Jahren selbstständige Ernährungsberaterin und legt großen Wert auf die individuelle Beratung Ihrer Patienten. Um mehr über die Ökotrophologin zu erfahren, können Sie Ihre Website besuchen: www.ernaehrungsberatung-remscheid.de

Hier finden Sie weitere Informationen zum Thema Ernährung für Krebspatienten.

Rezept: Rote-Bete-Suppe

Rote Beete Suppe

Zutaten: für 4-6 Personen

  • 1 Zwiebel
  • 500 g Rote Bete  
  • 1 säuerlicher Apfel, in Scheiben
  • 20 g Rapsöl
  • 1 Stück Meerrettich-Wurzel, frisch gerieben
  • 1 Stück Ingwer-Wurzel, frisch gerieben
  • ca. 1,2 l Gemüsebrühe
  • 1 Becher Saure Sahne
  • 1 Bund Dill

Zubereitung:

Die Rote Bete und die Zwiebel würfeln. In einer Pfanne mit dem Rapsöl erhitzen, die Zwiebel darin glasig werden lassen, die Rote-Bete-Würfel, die Apfelscheiben und den geriebenen Meerrettich und Ingwer dazu geben und anschwitzen lassen. Das Ganze mit 800 ml Gemüsebrühe ablöschen und bei geschlossenem Deckel ca. 20 Minuten kochen lassen. Dann die Rote-Bete-Suppe pürieren, je nach Konsistenz noch den Rest der Gemüsebrühe unterrühren und mit Salz und Pfeffer abschmecken. In einem Schälchen 3 TL Saure Sahne, Dill, Salz und weißen Pfeffer verrühren. Die Suppe anrichten und einen Klecks der Dill-Sahne in die Mitte des Tellers geben. Zur Dekoration etwas Dill auf die Suppe streuen.

  1. Ernährung bei Krebs, Deutsche Krebsgesellschaft, Bonn. 2014, S.4
  2. Ebd., S. 28
  3. 10 Regeln der DGE, Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V., 9. Auflage 2013
  4. Ernährung bei Krebs, Deutsche Krebsgesellschaft, Bonn. 2014, S.28
  5. Ebd., S. 28
  6. Ebd., S. 28f.
  7. Ebd., S. 41
  8. Ebd., S. 33
  9. Ebd., S. 34